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Stoffwechsel – manchmal ein Teufelskreis

Schilddrüsenhormone haben ausgesprochen vielfältige Wirkungen im Körper. Sie aktivieren z.B. den Eiweiß-, Fett- und Kohlehydrat-Stoffwechsel, steuern den Sauerstoff- und Energieverbrauch des Körpers und sind mitverantwortlich für die Temperaturregulation. Als wesentlicher Bestandteil des hochkomplexen Hormonsystems beeinflussen sie darüber hinaus andere Hormondrüsen wie beispielsweise die Eierstöcke und die Nebennieren.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen zahlreiche weitere Probleme im Stoffwechsel und Hormonsystem nach sich ziehen, wobei die Auswirkungen meist umso gravierender sind je länger die Schilddrüsenfehlfunktion besteht. Im Extremfall sind diese Ungleichgewichte nicht mehr allein durch die Regulation des Schilddrüsenstoffwechsels zu beheben.


Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion

Aufgrund des beschleunigten Stoffwechsels geht eine Schilddrüsenüberfunktion normalerweise immer mit einem Gewichtsverlust einher. Durch eine unangemessene Appetitsteigerung und Zufuhr stark erhöhter Nahrungsmengen oder auch eine Insulinresistenz (s.u.) kann es aber auch untypischerweise zu einer Gewichtszunahme kommen. Außerdem ist der Cholesterinabbau beschleunigt und es kommt zu einer Senkung von Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin.

Der Zusammenhang zwischen Gewicht und Schilddrüsenfunktionslage wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien eindeutig nachgewiesen. Ein Anstieg des TSH führt zu einer Gewichtszunahme, während ein Abfall des TSH oder eine Erhöhung von fT3/fT4 zu einer Gewichtsabnahme führen. Bei einer dänischen Studie wurde festgestellt, dass bereits Personen mit einem genzwertig hohen TSH im Durchschnitt rund 6 kg mehr wiegen als Personen mit einem grenzwertig niedrigen TSH. (N. Knudsen, P. Laurberg, L. B. Rasmussen, I. Bülow, H. Perrild, H. Ovesen, T. Jorgensen: “Small Differences in thyroid function may be important for Body Mass Index and the occureence of obesity in the populationJ Clin Endoc a Metab, 2005, 7(90): 4019 – 4024).

Hintergrundwissen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Übergewicht mit Hilfe des Body Mass Index (BMI) in verschiedene Schweregrade (BMI < 18,5 Untergewicht, BMI 18,6 – 24,9 Normalgewicht, BMI 25 – 29,9 Übergewicht, BMI 30 – 34,9 Adipositas Grad I, BMI 35 – 39,9 Adipositas Grad II, BMI > 40 Adipositas Grad III). Berechnet wir der BMI mit folgender Formel: BMI = Gewicht : Körpergröße x Körpergröße. Es gibt allerdings berechtigte Zweifel daran, ob diese Klassifizierung der WHO nicht zu strikt ist. Denn entwickelt hat den Body Mass Index kein Gesundheitswissenschaftler oder Mediziner, sondern der Mathematiker Adolphe Quetelet der eine Normalverteilung menschlicher Körpermaße errechnete.

Desweiteren wirkt sich eine Hyperthyreose auch auf die weiblichen Hormone aus. Das SHBG (Sexualhormon-Bindendes Globulin) ist erhöht und induziert eine erhöhte Umwandlung von Androgenen zu Östrogenen. Über wenig erforschte, komplizierte Rückkopplungsprozesse verstärkt ein Zuviel an Androgenen die Ausschüttung von LH und FSH während ein Überangebot an Östrogenen sich auf das natürliche Gegenspielerhormon Progesteron auswirkt und zu einem Mangel desselben führt.

Im Zusammenhang mit Funktionsstörungen der Schilddrüse entstehen bei einigen Betroffenen zudem häufiger Störungen im Zuckerstoffwechsel. Das müssen besonders Personen, die zusätzlich unter einem Diabetes leiden, berücksichtigen. Bereits eine subklinische Hyperthyreose kann zu einer verstärkten Insulinresistenz führen, so dass die Blutzuckerwerte ansteigen. Außerdem wird insgesamt weniger Insulin produziert und die Insulinsensitivität ist vermindert.


Auswirkungen einer Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Hypothyreose kommt es entgegengesetzt zu Hypoglykämien (Unterzuckerungen). Diese äußern sich meist in allgemeinen Symptomen wie Übelkeit und Schwindel, aber auch Symptome wie Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Tachykardie, Unruhe, Nervosität, Aggressivität und Hungergefühl (adrenerge Symptome) können auftreten. In seltenen Fällen kann es zu neuroglucopenischen Symptomen wie Bewusstseins-, Konzentrations-, Seh-, Sprach-, Gedächtnisstörungen, Krampfanfällen und Lähmungen kommen. Ausgelöst werden diese Hypoglykämien häufig durch den Verzehr kohlenhydrat- oder zuckerreicher Lebensmittel (Bsp.: Brötchen mit Marmelade, Kuchen, Kekse usw.), die den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Daraufhin produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin, welches den Blutzuckerspiegel wieder absenkt. Da Schilddrüsenhormone die Empfindlichkeit der Körperzellen auf Insulin vermindern, reagieren die Körperzellen bei einer Schilddrüsenunterfunktion, also fehlenden Schilddrüsenhormonen verstärkt auf Insulin. Die Insulinproduktion wird außerdem beispielsweise durch das Hormon Prolaktin angeregt, welches im Rahmen einer Hypothyreose meist erhöht ist. Das hat zur Folge das zuviel Insulin produziert wird, der Blutzuckerspiegel daraufhin zu stark absinkt und die oben aufgeführten Symptome auftreten können. Als Erste-Hilfe-Maßnahme eignet sich der Verzehr von Traubenzucker oder das Trinken süßer Limonaden wie z. B. Cola, die den Blutzuckerspiegel rasch wieder ansteigen lassen. Häufiger auftretende Hypoglykämien sollten allerdings durch einen Diabetologen abgeklärt werden.

Da während der Schilddrüsenunterfunktion der Abbau der Blutfette verzögert stattfindet, steigt neben dem Gesamtcholesterin oft auch das LDL-Cholesterin an. Dies ist gefährlich, weil dadurch die Arterienverkalkung gefördert wird und (insbesondere im fortgeschrittenen Alter) ein erhöhtes Risiko besteht von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall getroffen zu werden. Da Schilddrüsenhormone die Wärmeentwicklung fördern, besteht während der Hypothyreose eine starke Kälteempfindlichkeit mit einer ausgeprägten Neigung zum Frieren.

Eine Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen führt aufgrund der Verlangsamung vieler Stoffwechselprozesse trotz gleichbleibender Ernährung oder sogar Appetitverlust mit reduzierter Nahrungszufuhr sehr häufig zu Übergewicht. Auch der verringerte Energieverbrauch fördert die Gewichtszunahme. Als Folge einer Schilddrüsenunterfunktion kann es außerdem zu weiteren hormonellen Probleme kommen, die ebenfalls zu Übergewicht führen können. „Auch nach Normalisierung der Schilddrüsenwerte im Blut kommt es bei einigen Betroffenen weiterhin zu hartnäckigen Gewichtsproblemen. Die Ursache der meist unangemessenen Gewichtszunahme ist noch nicht geklärt. Neben den Schilddrüsenhormonen dürften auch andere Hormone eine Rolle spielen“ (L. Brakebusch, A. E. Heufelder: „Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis“, Zuckschwerdt-Verlag, München 2004, Seite 38 ff. Symptome der Unterfunktion). Dazu gehören insbesondere der bei Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis häufige Progesteronmangel, bei dem es im Rahmen des praemenstruellen Syndroms besonders in der zweiten Zyklushälfte zu Beschwerden wie rascher Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen kommt. Progesteron unterstützt die Wirkung der Schilddrüsenhormone und kurbelt den Stoffwechsel an. Kommt es zusätzlich zu einem Progesteronmangel, ist es nahezu unmöglich ein normales Gewicht zu halten. Zum anderen kann das ebenfalls oft vergesellschaftete PCO-Syndrom (PCO = Polycystisches Ovarsyndrom) ein Grund für Übergewicht sein. Neben Eierstockzysten und Übergewicht treten dabei noch andere Beschwerden wie eine verstärkte Körperbehaarung, ausbleibende Regelblutungen, Akne oder eine Insulinresistenz (Vorstufe Diabetes Typ II) auf.

Bei einigen Betroffenen kommt es ungewöhnlicherweise jedoch auch in Unterfunktionsphasen zu einer deutlichen Gewichtsabnahme. Dafür verantwortlich sind möglicherweise gehäuft mit den autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen auftretende zusätzliche Erkrankungen wie Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, Sprue), Morbus Crohn oder Colitis ulzerosa (chronische Darmentzündungen). Auch eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) sowie eine perniziöse Anämie (chronische, autoimmun bedingte Magenschleimhautentzündung) können eine Gewichtsabnahme zur Folge haben.


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Homepage erstellt am 22.10.07, aktualisiert am 22.01.09
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