- Ungeklärtes
Phänomen: Schmerzen überall?!
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Allgemein bekannt
ist, daß eine Schilddrüsenunterfunktion eine häufige
Ursache für das Karpaltunnelsyndrom ist. Dabei kommt
es durch Ödembildung zu einer Druckschädigung des
Medianusnervs. Im Anfangsstadium erwacht der betroffene Patient
oft morgens mit dem Gefühl, die Hand sei "eingeschlafen".
Später stellen sich Missempfindungen wie Kribbeln,
Prickeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen ein. Diese
Missempfindungen können von den Fingern, über die Hand
bis in den Unter- oder sogar Oberarm ausstrahlen. Im weiteren
Verlauf kann es zu einem Muskelschwund, insbesondere der
Daumenballenmuskulatur kommen. Durch Behandlung der Hypothyreose
bilden sich die Ödeme und damit auch das
Karpaltunnelsyndrom häufig vollständig zurück.
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Wissenschaftlich
belegt werden konnte inzwischen auch, warum es im Rahmen von
Schilddrüsenerkrankungen so oft zu hormonell bedingten
Muskelschmerzen (hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie)
sowie einer ausgeprägten Muskelschwäche kommt.
Während diese Muskelschwäche bei der Hypothyreose
durch eine Reduktion von Stoffwechselprozessen entsteht, ist bei
der Hyperthyreose ein vermehrter Eiweißabbau in der
Muskulatur dafür verantwortlich. Diese Beschwerden sind mit
dem Erreichen normaler Schilddrüsenhormonwerte meist
rückläufig.
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Entgegen der weit
verbreiteten Meinungen verläuft auch der autoimmune
Entzündungsprozess bei der Hashimoto-Thyreoiditis nicht
immer schmerzfrei, sondern es gibt atypische Krankheitsverläufe
die mit ausgeprägten Schmerzen im Bereich der
Schilddrüse einhergehen. Oft ist neben stark erhöhten
Antikörpern eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins
feststellbar und es besteht Fieber. Die Behandlung mit
L-Thyroxin bessert die Beschwerden meist nur geringfügig.
Deshalb wird gelegentlich zusätzlich Cortison eingesetzt
oder die Schilddrüse operativ entfernt. (L.
Gourgiotis, N. Al-Zubaidi, M. C. Skarulis, D. A. Papanicolaou,
S. K. Libutti, H. R. Alexander , M. J. Merino, N. J. Sarlis:
„Successful outcome after surgical management in two cases
of the "painful variant" of Hashimoto's thyroiditis“
Endoc Pract. 2002 , 4(8): 259 – 265 / Y. C. Kon, L. J.
DeGroot: „Painful Hashimoto's thyroiditis as an indication
for thyroidectomy: clinical characteristics and outcome in seven
patients“ J Clin Endoc a Metab 2003, 6(88): 2667 –
2672 / H. Ohye, S. Fukata, S. Kubota, I. Sasaki, Y. Takamura, F.
Matsuzuka, N. Amino, K. Kuma, A. Miyauchi: „Successful
treatment for recurrent painful Hashimoto's thyroiditis by total
thyroidectomy“, Thyroid 2005, 4(15): 340 – 345)
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Nicht
selten treten zudem ausgeprägte Kopfschmerzen
als Begleitsymptom einer Hypothyreose
auf. Obwohl die meisten Ärzte einen solchen
Zusammenhang bestreiten, berichten viele Betroffene sowohl über
neu aufgetretene Kopfschmerzen als auch über eine
Verschlechterung bestehender Kopfschmerzen durch die
Schilddrüsenerkrankung. Dies wurde inzwischen auch im
Rahmen einer medizinischen Studie belegt (Moreau,
Manceau, Giroud-Baleydier, Dumas, Giroud: „Headache in
hypothyroidism. Prevalence and outcome under thyroid hormone
therapy” Cephalalgia 1998, 18: 687 – 689).
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Aus bisher noch
weitgehend ungeklärten Gründen kommt es bei den
autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen Morbus Basedow und
Hashimoto-Thyreoiditis darüber hinaus in bis zu 20% der
Fälle zu teilweise sehr stark ausgeprägten Schmerzen
in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Typisch für die
Hashimoto-Thyreoiditis (eher seltener beim Morbus Basedow) ist
auch ein allgemeines Zerschlagenheitsgefühl mit
Gliederschmerzen ähnlich wie bei einer schweren Grippe.
Diese autoimmun verursachten Muskel- und Gelenkschmerzen
können unabhängig von der Behandlung mit
Schilddrüsenhormonen weiter bestehen bleiben und verstärken
sich oft deutlich während der Krankheitsschübe und
verschwinden manchmal vollständig wenn die
Schilddrüsenentzündung „ausgebrannt“ ist.
Einige Schilddrüsenexperten vermuten
als Ursache für hartnäckige Muskelschmerzen und
-verhärtungen ein Einwandern von Entzündungszellen in
die Muskulatur. So konnten bei Hashimoto-Erkrankten bereits
Antikörper gegen bestimmte Bindegewebsfasern in den Muskeln
nachgewiesen werden.
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Ein nicht
unerheblicher Teil der autoimmunen Schilddrüsenerkrankten
leidet desweiteren unter anhaltenden rheumatischen Beschwerden,
deren Ursache ärztlich abgeklärt werden sollte. Neben
Gelenkschmerzen kann es zu regelrechten Gelenkentzündungen
(Arthritis) kommen, bei denen neben Schmerzen weitere
Symptome wie Rötung, Schwellung und Überwärmung
eines oder mehrerer Gelenke auftreten. Hier ist besonders darauf
zu achten, daß bei rund 25 % der Betroffenen der
autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen weitere
Autoimmunerkrankungen hinzukommen. So kommt es beispielsweise
auch im Rahmen einer weiteren Autoimmunerkrankung, dem Lupus
erythematodes zu Gelenkschmerzen. Betroffen sind hier
besonders die Sprunggelenke. Besteht trotz
Schilddrüsenhormonbehandlung neben Muskel- und
Gelenkschmerzen eine starke Müdigkeit bis hin zur völligen
Erschöpfung, muss an ein eventuell zusätzlich
auftretendes chronic fatique syndrom oder auch eine
Fibromyalgie gedacht werden. Kennzeichen der Myasthenia
gravis ist eine ausgeprägte Muskelschwäche, die
sich auch durch die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen
nicht beeinflussen lässt. Meist manifestiert sich diese
Muskelschwäche zunächst im Bereich eines Augenlids,
welches herabhängt.
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Zu den harmlosen -
aber oft übersehenden - Ursachen für Muskelschmerzen
und Muskelkrämpfe bei Schilddrüsenerkrankungen zählen
Nährstoffdefizite (Eisen, Magnesium, Calcium,
Natrium, Vitamin D). Durch die ödematöse Verdickung
der Darmschleimhaut im Rahmen der Hypothyreose entstehen
Resorptionsstörungen, die eine ausreichende Aufnahme
verhindern. Bei der Hyperthyreose passieren die Nahrungsmittel
den Dünn- und Dickdarm so schnell, dass für die
optimale Ausnutzung der Nahrung nicht ausreichend Zeit bleibt.
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Weblink:
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Dr.
Volker Nehls: Zusammenhang
zwischen Schilddrüsenleiden und rheumatischen Beschwerden
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Buchempfehlungen:
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erstellt am 22.10.07, aktualisiert am 25.02.09
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