- - Werbung -
-
- Für
die Beurteilung der Schilddrüsenfunktionslage sind die
Hormonuntersuchungen (TSH, fT3, fT4) wichtig, während die
Diagnose der autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen (Morbus
Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis) u. a. anhand der Antikörper
(TPO-AK, Tg-AK, TRAK) gestellt wird.
-
Für
eine medizinische Beurteilung dieser Laborwerte sind
zuverlässige Entscheidungsgrenzen erforderlich. Sie sollen
dem Arzt angeben, ob eine bestimmte Krankheit vorliegt oder
ausgeschlossen werden kann (Ausschlussdiagnostik) und ob von
einer Verbesserung beziehungsweise Verschlechterung einer
Erkrankung auszugehen ist (Verlaufskontrolle). In der Medizin
gibt es dazu sogenannte Normalbereiche,
die eine Spanne von Werten umfassen, die bei rund 95 Prozent
aller gesunden Untersuchten gefunden wurden. Die gemessenen
Werte der einzelnen Hormone und Antikörper können nur
in Abhängigkeit dieser Normalwerte korrekt beurteilt
werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich diese
Normwerte je nach Labor und verwendeter Messmethode
unterscheiden können.
-
-
Hormone
-
-
TRH
= Thyreotropin Releasing Hormon
-
Das
TRH ist ein Hormon, welches im Hypothalamus produziert wird. Es
regt die Hypophyse an TSH freizusetzen. Die Bestimmung des TRH
ist allerdings fast nie erforderlich. Normalbereich:
2,5 - 25 mU/l. Ein erhöhter Wert weist auf eine
Schilddrüsenunterfunktion hin.
-
-
TSH
= Thyreoidea Stimulating Hormon (Thyreotropin)
-
Das
TSH wird von der Hypophyse produziert und regt die Schilddrüse
zur Bildung der Schilddrüsenhormone T4 und T3 an.
-
Die
Bestimmung des TSH ist Basis jeder
Schilddrüsenfunktionsdiagnostik. Normalbereich:
0,3 - 2,5 mU/l. Unter der Therapie mit Schilddrüsenhormonen
wird eine Einstellung des TSH im Bereich 0,5 - 1,0 mU/l
empfohlen. Erniedrigte Werte (kleiner als 0,1 - 0,3 mU/l): Die
Schilddrüse produziert zu viele Hormone oder die von aussen
zugeführte Schilddrüsenhormondosis ist zu hoch
(hyperthyreosis factitia, iatrogene Hyperthyreose). Es liegt
eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor.
Ausnahme: Bei Einnahme eines T3-/T4-Kombinationspräparates
oder auch durch TRAK kann das TSH verfälscht zu niedrig
ausfallen ohne dass eine Hyperthyreose vorliegt. Erniedrigte
Werte bedürfen einer weiteren Abklärung, so dass
zusätzlich die Konzentrationen von fT3/fT4 bzw. bei der
Erstdiagnostik Antikörper bestimmt werden müssen.
Erhöhte Werte (grösser als 2,0 - 2,5 mU/l): Die
Schilddrüse produziert zu wenige Hormone oder die von
aussen zugeführte Schilddrüsenhormondosis ist zu
niedrig. Es liegt eine Schilddrüsenunterfunktion
(Hypothyreose) vor. Erhöhte Werte bedürfen einer
weiteren Abklärung, so dass zusätzlich die
Konzentrationen von fT3/fT4 bzw. bei der Erstdiagnostik
Antikörper bestimmt werden müssen.
-
-
fT4
= Tetrajodthyronin od. Thyroxin
-
Unter
einer Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen sollte
die letzte Medikamenteneinnahme 24 Stunden zurückliegen, da
ansonsten verfälscht zu hohe Werte gemessen werden.
Normalbereich: 0,8 -
1,8 ng/dl (8 - 18 pg/ml) bzw. 10 - 23 pmol/l. Unter einer
Therapie mit Schilddrüsenhormonen gilt eine erweiterte
obere Normbereichsgrenze (laborabhängig 2,5 bis 3,5 ng/dl)
für das fT4. Erhöhte Werte: Es liegt eine
Schilddrüsenüberfunktion vor. Erniedrigte Werte: Es
liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor.
-
-
fT3
= Trijodthyronin
-
Im
Gegensatz zum fT4 ist das fT3 erst bei ausgeprägten Hypo-
bzw. Hyperthyreosen erniedrigt bzw. erhöht, da der Körper
die bedarfsgerechte Umwandlung je nach Bedarf steuern kann.
Normalbereich: 2,0 -
4,5 pg/ml bzw. 5,4 - 12,3 pmol/l. Erhöhte Werte: Es liegt
eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Erniedrigte Werte:
Es liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor. Bei länger
andauernden schweren Erkrankungen kann das fT3 erniedrigt sein
ohne dass eine Hypothyreose vorliegt (Low T3-Syndrom).
-
-
Hintergrundwissen:
Bezüglich der Schilddrüsenhormone besteht
grundsätzlich die Möglichkeit die Konzentrationen der
freien Schilddrüsenhormone (fT3, fT4) oder die
Gesamthormonkonzentrationen (T3, T4) zu bestimmen. Medizinisch
sinnvoll ist nur die Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone.
Begründung: Der größte Teil der
Schilddrüsenhormone ist an Bindungseiweiße wie das
Thyreoglobulin, Transthyretin (Präalbumin) und Albumin
gebunden. Nur ein sehr geringer Teil der Schilddrüsenhormone
liegt ungebunden vor. Da aber ausschließlich die freien
Schilddrüsenhormone wirksam sind, ist es sinnvoller diesen
Teil zu messen, als die Gesamthormonkonzentrationen (gebundene +
freie Hormone). Außerdem ist die Messgenauigkeit bei der
Bestimmung der freien Hormone höher als bei der Bestimmung
der gebundenen Hormone. Die Anzahl der Bindungseiweiße und
damit der gebundenen Hormone kann beispielsweise durch die
Einnahme von Östrogenen oder während einer
Schwangerschaft erhöht sein. Dagegen hat die Bestimmung der
freien Hormone den Vorteil, dass sie von Veränderungen der
Bindungsproteine unabhängig ist.
-
-
Kalzitonin
-
Kalzitonin
wird von den C-Zellen der Schilddrüse gebildet. Es
reguliert den Kalziumhaushalt, indem es den Kalziumgehalt im
Blut senkt. Bedeutsam ist es vor allem als Tumormarker für
das medulläre Schilddrüsenkarzinom (C-Zell-Karzinom).
Bei anderen Schilddrüsenerkrankungen ist die Bestimmung des
Kalzitonin nicht notwendig. Ein erhöhter Wert kann durch
einen Tumor verursacht werden, aber auch harmlose Ursachen
haben.
-
-
Antikörper
-
-
TPO-AK
= Thyreo-Peroxidase-Antikörper
-
(veraltete
Bezeichnung MAK = mikrosomale Antikörper) Die TPO-AK
greifen die Schilddrüsenperoxidase an. Dieses Enzym ist an
der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt. TPO-AK
werden bei dem Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis, bei einer
echoarmen Sonografie, bei latenter oder manifester Hypothyreose
und auch zur Abgrenzung einer immunoge nen von einer
nicht-immunogenen Hypothyreose bestimmt. Normalbereich:
kleiner 35 IU/ml. Bei einem erhöhten Wert liegt eine
Hashimoto-Thyreoiditis vor. Die genaue Bedeutung der Antikörper
im Krankheitsverlauf ist jedoch unklar - so scheint es keine
Korrelation zwischen der Höhe der AK-Konzentrationen und
der Krankheitsaktivität zu geben. Messbare Antikörper
im Normalbereich: Umstritten ist, ob auch schilddrüsengesunde
Personen gering erhöhte Antikörper haben können
oder ob TPO-AK immer als Beweis für das Vorliegen einer
Erkrankung zu werten sind.
-
-
Tg-AK
= Thyreoglobulin-Antikörper
-
Die
Tg-AK richten sich gegen das Thyreoglobulin. Dabei handelt es
sich um ein an der Produktion und Speicherung von
Schilddrüsenhormonen beteiligtes Protein. Bei Verdacht auf
Hashimoto-Thyreoiditis werden die Tg-AK meist nur bestimmt, wenn
die Messung der TPO-AK negativ war. Normalbereich:
kleiner 100 U/ml. Bei einem erhöhten Wert liegt eine
Hashimoto-Thyreoiditis vor.
-
-
TRAK
= TSH-Rezeptor-Antikörper
-
Die
TRAK docken an den eigentlich für das TSH vorgesehenen
Rezeptoren an und blockieren diese dadurch, so dass sich das TSH
dort nicht mehr verankern kann. Die Bestimmung der TRAK wird zur
Abgrenzung einer immunogenen von einer nicht-immunogenen
Hyperthyreose empfohlen. Normalbereich:
kleiner 9 U/ml (TRAKhuman kleiner 1 UI/ml). Bei einem erhöhten
Wert liegt ein Morbus Basedow vor.
|