- Krankheitssymptome
-
-
Es gibt 3
„Leitsymptome“ bei Morbus Basedow, das so genannte
„Merseburger Trias“ (1840 von Carl-Adolph von
Basedow in Merseburg als Hauptsymptome beschrieben): Tachykardie
(Herzrasen), Struma (Schilddrüsenvergrößerung)
und Exophthalmus (Hervortreten der Augen aus den Höhlen).
-
-
In der heutigen Zeit
weiß man jedoch, daß es nicht immer zum sichtbaren
Hervortreten der Augen kommen muß, daher sollte man bei
einer Schilddrüsenüberfunktion auch bei fehlender
Augenbeteiligung an die Möglichkeit eines Morbus Basedow
denken. Da Schilddrüsenhormone nahezu jedes Organ im Körper
eines Menschen beeinflussen, sind die Symptome einer durch MB
verursachten Schilddrüsenüberfunktion auch sehr
zahlreich und umfassen ein weit größeres Spektrum als
nur das „Merseburger Trias“.
-
-
Weitere Symptome
betreffen folgende Bereiche:
-
-
Schilddrüse:
-
Vergrößerung
der Schilddrüse (Struma), reicht von leicht bis deutlich
von außen sicht- und tastbar, Missempfindungen im Hals,
Schluckbeschwerden, Druckempfindlichkeit (typisch: Berührungen
am Hals, enge Kragen/Halsketten/Halstücher etc. werden als
äußerst unangenehm empfunden und erzeugen ein Gefühl
des „Erwürgtwerdens“), Globusgefühl („Kloß
im Hals“), Hautrötungen am Hals, fühlbare
Vibration der Schilddrüse („Schwirren“)
-
-
Herz/Kreislauf:
-
Dauertachykardie
(ständig erhöhter Puls >90, auch in Ruhe/Schlaf),
Bluthochdruck (vor allem Systole erhöht), Palpitationen
(der Herzschlag wird als ungewöhnlich hart und in
Brust/Hals deutlich spürbar und im Kopf dröhnend
empfunden), Herzrhythmusstörungen („Herzstolpern“),
Herzstiche/-schmerzen (Angina Pectoris), bei älteren
Patienten häufig auch Neigung zur Herzschwäche
(Herzinsuffizienz, Thyreokardiopathie). Bei vielen MB-Erkrankten
(40 %) kann ein Mitralklappenprolaps (Vorwölbung der
Mitralklappe in den Herzvorhof) nachgewiesen werden.
-
-
Atmung:
-
meistens
beschleunigt, auch bei nur leichter Anstrengung häufig
Luftnot, welche durch Herzprobleme, aber auch durch die
vergrößerte Schilddrüse bedingt sein kann
(seltener durch Muskelschwäche der Atemmuskulatur).
-
-
Haut:
-
warm, samtartig
weich, oft feucht von Schweiß. Bei Herzschwäche kann
die Haut auch kühl/feucht sein („kalter Schweiß“).
Schweißausbrüche und Hitzeintoleranz (typisch: warme
Räume werden als extrem unangenehm empfunden; Erkrankte
neigen dazu, sich auch bei kühlem Klima nur sehr leicht
anzuziehen (z. B. im Winter T-Shirt, keine Jacke)) .
Hyperpigmentationen (verstärkte Braunfärbung der
Haut), aber auch Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) können
begleitend bei MB auftreten, ebenso wie Pruritus (Juckreiz) und
Urtikaria (Nesselsucht mit Quaddelbildung/Juckreiz). Häufig
Ödembildung im Bereich der Knöchel oder Unterschenkel.
In ca. 3 % der Fälle kommt es beim Morbus Basedow zu einem
prätibialen Myxödem (derbe Hautveränderung am
unteren Schienbein; die Haut ist dort geschwollen/verdickt,
grobporig und rötlich verfärbt).
-
-
Haare/Nägel:
-
das Kopfhaar ist
seidenweich und schwer frisierbar. Häufig kommt es zu
Haarausfall, der in schweren Fällen auch die Achsel- und
Schambehaarung betreffen kann.
-
Die Finger- und
Zehennägel wachsen schnell, sind jedoch sehr weich/brüchig.
-
-
Magen/Darm:
-
Durst, Heißhunger
mit regelrechten „Fressattacken“, trotzdem
Gewichtsabnahme (selten: Gewichtszunahme), Übelkeit (selten
mit Erbrechen), häufiger Stuhlgang bis hin zu schweren
Durchfällen, gelegentlich erhöhte Leberwerte, Leber-
und Gallenblasenprobleme (selten: Hepatitis)
-
-
Muskulatur:
-
hyperthyreote
Myopathie mit häufig hochgradiger Muskelschwäche im
Bereich des Schulter- und Beckengürtels (typisch: ein
Erkrankter kann nicht mehr ohne fremde Hilfe/Festhalten aus der
Hocke aufstehen), Muskelatrophie (Muskelschwund),
Muskelschmerzen und –verspannungen, Kraftlosigkeit,
Zittern der Hände/Finger (feinschlägiger Tremor),
Probleme bei der Muskelkoordination (typisch: fahrige, hastige
Bewegungen, Schwierigkeiten beim Schreiben, veränderte
(unleserliche) Handschrift), gesteigerte Sehnenreflexe
(Achillessehnenreflex), Neigung zu Muskelkrämpfen, selten:
Dysphagie/Dysarthie (der Buchstabe „R“ kann nicht
mehr richtig ausgesprochen werden)
-
-
Knochen:
-
Der Knochenumbau ist
beschleunigt, es kann zu einem Knochenschwund (Osteoporose)
kommen, der jedoch nach Therapie reversibel ist. Die
Calciumausscheidung ist häufig erhöht. Selten kommt es
als Begleiterscheinung bei MB zu einer Akropachie
(„Trommelschlegelfinger“ – keulenförmige
Auftreibung im Bereich der Finger- oder Zehenendglieder).
-
Bei Kindern kann es
zu einem verstärkten Wachstum und zu verfrühter
Knochenreifung kommen (vorzeitiger Schluß der
Schädelnähte)
-
-
Hormonsystem:
-
die
Sexualhormone können sich verändern, als Folge treten
häufig auf: Menstruationsstörungen (verlängerte,
verkürzte oder gänzlich ausbleibende Regel),
Verminderung (selten: Steigerung) von Libido und Potenz,
eingeschränkte Fruchtbarkeit. MB kann gelegentlich zusammen
mit Morbus Addison (autoimmune Nebennierenschwäche) und
Diabetes Typ-I kombiniert auftreten, ein Diabetes Typ II
(Diabetes mellitus) kann erstmals auftreten, der Insulinbedarf
eines Diabetikers kann sich erhöhen
-
-
Blut/Lymphsystem:
-
häufig leichte
Anämie (Blutarmut), erhöhte CK-Werte, erhöhte
AP-Werte (alkalische Phosphatase), niedrige Cholesterinwerte.
Lymphozytose (vermehrte Lymphozytenbildung), selten:
geschwollene Lymphknoten, vergrößerte Thymusdrüse,
vergrößerte Milz.
-
-
Nerven/Psyche:
-
gesteigerte Reflexe,
Nervosität, Unruhe, Konzentrationsschwäche,
Rastlosigkeit, gesteigerter Bewegungsdrang, Zittrigkeit,
Schreckhaftigkeit, Angst- und Panikattacken, Schlafstörungen
(typisch: trotz größter Müdigkeit/Erschöpfung
nicht einschlafen können),
Gereiztheit/Agressionen/Wutanfälle (typisch: der Erkrankte
ist oft schon aus nichtigen Anlässen „von Null auf
100“), starke Stimmungsschwankungen („himmelhochjauchzend
– zu Tode betrübt“), die an manisch-depressive
Zustände erinnern (und mit diesen verwechselt werden
können), selten regelrechte Psychosen, delirium-artige
Erregungszustände oder Apathie. Epileptiker können zu
verstärten Krampfanfällen neigen
-
-
Augen:
-
Symptome der
endokrinen Orbitopathie: Die Augenbeteiligung bei Morbus Basedow
beginnt oft schleichend mit vermehrter Lichtempfindlichkeit,
Jucken, Fremdkörpergefühl („Sand im Auge“),
Druckgefühl hinter dem Auge, Tränen der Augen, Kopfweh
(im Schläfenbereich), Schwellungen der Lider, Sehstörungen
(unscharfes/verschwommenes Sehen, Blickfeldeinschränkungen).
Im fortgeschrittenerem Stadium der EO kommt es zu einem
Hervortreten der Augen aus den Augenhöhlen (Exopthalmus)
aufgrund eines Anschwellens des Augenhintergrundgewebes. Das
Hervortreten der Augen tritt meist doppelseitig auf, oft ist
aber ein Auge mehr als das andere betroffen; selten treten beide
Augen gleich stark hervor.
-
-
In
sehr schweren Fällen – sie sind glücklicherweise
selten - kommt es zu einem sogenannten „malignen
Exophthalmus“, bei dem die Augen sehr stark hervortreten.
In der Folge kommt es zu Motilitätsstörungen der
Augenmuskeln (die Augenmuskeln können das Auge nicht mehr
richtig bewegen) und daraus resultierend zur Entwicklung von
Doppelbildersehen und/oder Schielen. Häufige Folge eines
starken Exophthalmus ist auch, daß die Augenlider nicht
mehr richtig geschlossen werden können (Lagopthalmus),
wodurch es zu Verletzungen und Austrockung der Augenhornhaut
kommen kann. Wenn der Sehnerv durch die Schwellung hinter den
Augen ebenfalls beeinträchtigt wird, droht im Extremfall
Erblindung.
|