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Allgemeine
Informationen zum Krankheitsbild Morbus Basedow
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Jutta Knopp
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Definition
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Ursachen
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Krankheitsverlauf
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Krankheitssymptome
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Diagnose
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Therapie
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Definition:
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Bei Morbus Basedow
(Autoimmunhyperthyreose) handelt es sich um eine eng mit der
Hashimoto-Thyreoiditis verwandte Autoimmunerkrankung, bei der
das Immunsystem fehlerhaft reagiert und sich gegen körpereigenes
Gewebe – in diesem Falle die Schilddrüse –
richtet. Das Immunsystem bildet bestimmte organspezifische
Autoantikörper gegen die Schilddrüse und stimulieren
diese zu einer stark übersteigerten
Schilddrüsenhormonproduktion, so dass es zu einer
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt.
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Es ist die seltenere
(ca. 1 – 6 % der Bevölkerung sind daran erkrankt),
jedoch allgemein weitaus bekanntere Variante von autoimmuner
Schilddrüsenerkrankung. Benannt wurde die Erkrankung nach
Carl Adolph von Basedow, der die Erkrankung 1840 erstmals in
Merseburg/Deutschland beschrieb. Im englischen Sprachraum ist
Morbus Basedow als „Graves’ disease“ bekannt
(benannt nach dem in Dublin/Irland praktizierenden Arzt Robert
J. Graves, der die Krankheit bereits vor Basedow im Jahre 1835
beschrieb).
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Am häufigsten
von Morbus Basedow sind Frauen betroffen (Frauen erkranken 5-8
mal häufiger als Männer), die meisten erkranken
zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr (das erklärt sich
vermutlich aus den in diesem Alter häufigeren
Hormonumschwüngen bedingt durch
Schwangerschaften/Geburten/Wechseljahre). Seltener sind
Kinder/Jugendliche betroffen.
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Eine zentrale Rolle
bei dieser Erkrankung nehmen die TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper)
ein, denn diese Antikörper sind letztendlich für die
Krankheitsymptome verantwortlich, indem sie an den
TSH-Rezeptoren der Schilddrüse andocken und die Schilddrüse
zu einer übermäßigen
Schilddrüsenhormonproduktion veranlassen. Daneben können
die TRAK auch noch am Augenhintergrundgewebe andocken und dort
eine endokrine Orbitopathie (EO) auslösen.
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Ursachen:
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Die genauen Ursachen
und Auslöser für die Entstehung von Morbus Basedow
sind bisher leider noch unbekannt. Da Morbus Basedow und auch
die Hashimoto-Thyreoiditis häufig familiär gehäuft
auftreten, wird stark vermutet, dass eine gemeinsame genetische
Prädisposition (Veranlagung) für diese Erkrankungen
vererbt wird. Als Risikofaktor hat man das Vorkommen bestimmter
Antigene im Erbmaterial (Antigene HLA-DR3, HLA-DR5 und HLA B8)
ausgemacht. Allerdings bedeutet das Vorkommen dieser Antigene im
Erbgut eines Menschen auch nicht, dass dieser Mensch
zwangsläufig irgendwann in seinem Leben an Morbus Basedow
oder Hashimoto-Thyreoiditis erkranken wird. Denn es bedarf
offensichtlich unbedingt noch anderer zusätzlicher
Faktoren, um die Erkrankung zum Ausbruch zu bringen. Zu solchen
zusätzlichen Faktoren gehören neben Stress,
hormonellen Umschwüngen (Pubertät, Schwangerschaft,
Entbindung, Wechseljahre), Umwelteinflüssen (Zellgifte,
Nikotin) auch eine übermäßige Jodzufuhr. Daneben
werden Infektionen mit verschiedenen Viren (z. B. Eppstein-Barr)
oder Bakterien (z. B. Yersinia enterocolitica) und
Kreuzreaktionen des TSH-Rezeptors mit diesen Erregern als
möglicher Krankheitsauslöser diskutiert. Inwieweit
eine Veränderung des Antigens durch Viren/Bakterien oder
TSH-Rezeptor-Mutationen für die Entstehung von Morbus
Basedow ursächlich beteiligt sind oder für die
Entwicklung der Krankheit sogar zwingend nötig sind, ist
noch unbekannt.
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Krankheitsverlauf:
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Morbus Basedow führt
zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Diese beginnt
meistens ziemlich plötzlich und kommt oft wie „aus
heiterem Himmel“. Je nach Schwere der Symptome kann es
allerdings eine Weile dauern, bis sich ein Betroffener wirklich
gewahr wird, dass er ernsthaft krank ist. Wegen der Auswirkungen
der Schilddrüsenüberfunktion auf die Psyche und wegen
der Ähnlichkeit zu typischen Stressreaktionen des Körpers,
werden die Symptome häufig zuerst als vegetative oder
psychosomatische Beschwerden (durch psychische Belastung und
Stress hervorgerufene körperliche Beschwerden)
fehlgedeutet.
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Leider schätzen
auch Ärzte die Beschwerden zuweilen falsch ein und stellen
mitunter die falsche Diagnose. Da sich bei Morbus Basedow
oftmals die Schilddrüse sichtbar vergrößert,
wird zuweilen ärztlicherseits die verhängnisvolle
Falschdiagnose „Jodmangelkropf“ gestellt –
verhängnisvoll deswegen, weil bei einer solchen
Fehldiagnose Jod verschrieben wird und dieses Jod den Morbus
Basedow nur noch verschlimmert.
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Auch vegetative
Störung, Neurose, Angsterkrankung, Depression,
Borderline-Syndrom oder bipolare Störung
(manisch-depressive Erkrankung) gehören leider zu den
„klassischen Fehldiagnosen“, die im Extremfall auch
schon dazu geführt haben, dass an Morbus Basedow Erkrankte
als „psychisch krank“ abgestempelt wurden, mit
Psychopharmaka behandelt oder gar zur Therapie in eine
Psychiatrie eingewiesen wurden.
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Neben der
Schilddrüse sind bei etwa 50 % der Erkrankten auch die
Augen von der Erkrankung betroffen und es kommt zur Entwicklung
einer endokrinen Orbitopathie. Die EO kann sich zeitlich
unabhängig vom Auftreten der Überfunktionssymptome
entwickeln – bei etwa 20 % der Fälle geht die EO der
akuten Überfunktion voraus, bei etwa 40 % manifestiert sich
die EO zeitgleich mit der Überfunktion und bei 40 %
entwickelt sich die EO erst wesentlich später (zumeist ist
bei diesen Spätmanifestationen der EO eine
Schilddrüsenunterfunktion der Auslöser).
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Übermäßige
Jodzufuhr kann die Überfunktion bei Morbus Basedow
erheblich verschlechtern und die Prognose verschlechtern. Aus
diesem Grunde sollten an Morbus Basedow Erkrankte unbedingt
zuviel Jod vermeiden, z. B. durch Verwendung von unjodiertem
Speisesalz, Verzehr von mit unjodiertem Speisesalz hergestellten
Lebensmitteln (schwierig in Deutschland!), nur seltener und
sparsamer Verzehr von Seefisch und Meeresfrüchten,
Vermeidung von jodhaltigen Medikamenten und Untersuchungen mit
jodhaltigen Kontrastmitteln.
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Krankheitssymptome:
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Es gibt 3
„Leitsymptome“ bei Morbus Basedow, das so genannte
„Merseburger Trias“ (1840 von Carl-Adolph von
Basedow in Merseburg als Hauptsymptome beschrieben): Tachykardie
(Herzrasen), Struma (Schilddrüsenvergrößerung)
und Exophthalmus (Hervortreten der Augen aus den Höhlen).
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In der heutigen Zeit
weiß man jedoch, daß es nicht immer zum sichtbaren
Hervortreten der Augen kommen muß, daher sollte man bei
einer Schilddrüsenüberfunktion auch bei fehlender
Augenbeteiligung an die Möglichkeit eines Morbus Basedow
denken. Da Schilddrüsenhormone nahezu jedes Organ im Körper
eines Menschen beeinflussen, sind die Symptome einer durch MB
verursachten Schilddrüsenüberfunktion auch sehr
zahlreich und umfassen ein weit größeres Spektrum als
nur das „Merseburger Trias“.
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Weitere Symptome
betreffen folgende Bereiche:
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Schilddrüse:
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Vergrößerung
der Schilddrüse (Struma), reicht von leicht bis deutlich
von außen sicht- und tastbar, Missempfindungen im Hals,
Schluckbeschwerden, Druckempfindlichkeit (typisch: Berührungen
am Hals, enge Kragen/Halsketten/Halstücher etc. werden als
äußerst unangenehm empfunden und erzeugen ein Gefühl
des „Erwürgtwerdens“), Globusgefühl („Kloß
im Hals“), Hautrötungen am Hals, fühlbare
Vibration der Schilddrüse („Schwirren“)
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Herz/Kreislauf:
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Dauertachykardie
(ständig erhöhter Puls >90, auch in Ruhe/Schlaf),
Bluthochdruck (vor allem Systole erhöht), Palpitationen
(der Herzschlag wird als ungewöhnlich hart und in
Brust/Hals deutlich spürbar und im Kopf dröhnend
empfunden), Herzrhythmusstörungen („Herzstolpern“),
Herzstiche/-schmerzen (Angina Pectoris), bei älteren
Patienten häufig auch Neigung zur Herzschwäche
(Herzinsuffizienz, Thyreokardiopathie). Bei vielen MB-Erkrankten
(40 %) kann ein Mitralklappenprolaps (Vorwölbung der
Mitralklappe in den Herzvorhof) nachgewiesen werden.
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Atmung:
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meistens
beschleunigt, auch bei nur leichter Anstrengung häufig
Luftnot, welche durch Herzprobleme, aber auch durch die
vergrößerte Schilddrüse bedingt sein kann
(seltener durch Muskelschwäche der Atemmuskulatur).
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Haut:
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warm, samtartig
weich, oft feucht von Schweiß. Bei Herzschwäche kann
die Haut auch kühl/feucht sein („kalter Schweiß“).
Schweißausbrüche und Hitzeintoleranz (typisch: warme
Räume werden als extrem unangenehm empfunden; Erkrankte
neigen dazu, sich auch bei kühlem Klima nur sehr leicht
anzuziehen (z. B. im Winter T-Shirt, keine Jacke)) .
Hyperpigmentationen (verstärkte Braunfärbung der
Haut), aber auch Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) können
begleitend bei MB auftreten, ebenso wie Pruritus (Juckreiz) und
Urtikaria (Nesselsucht mit Quaddelbildung/Juckreiz). Häufig
Ödembildung im Bereich der Knöchel oder Unterschenkel.
In ca. 3 % der Fälle kommt es beim Morbus Basedow zu einem
prätibialen Myxödem (derbe Hautveränderung am
unteren Schienbein; die Haut ist dort geschwollen/verdickt,
grobporig und rötlich verfärbt).
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Haare/Nägel:
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das Kopfhaar ist
seidenweich und schwer frisierbar. Häufig kommt es zu
Haarausfall, der in schweren Fällen auch die Achsel- und
Schambehaarung betreffen kann.
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Die Finger- und
Zehennägel wachsen schnell, sind jedoch sehr weich/brüchig.
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Magen/Darm:
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Durst, Heißhunger
mit regelrechten „Fressattacken“, trotzdem
Gewichtsabnahme (selten: Gewichtszunahme), Übelkeit (selten
mit Erbrechen), häufiger Stuhlgang bis hin zu schweren
Durchfällen, gelegentlich erhöhte Leberwerte, Leber-
und Gallenblasenprobleme (selten: Hepatitis)
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Muskulatur:
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hyperthyreote
Myopathie mit häufig hochgradiger Muskelschwäche im
Bereich des Schulter- und Beckengürtels (typisch: ein
Erkrankter kann nicht mehr ohne fremde Hilfe/Festhalten aus der
Hocke aufstehen), Muskelatrophie (Muskelschwund),
Muskelschmerzen und –verspannungen, Kraftlosigkeit,
Zittern der Hände/Finger (feinschlägiger Tremor),
Probleme bei der Muskelkoordination (typisch: fahrige, hastige
Bewegungen, Schwierigkeiten beim Schreiben, veränderte
(unleserliche) Handschrift), gesteigerte Sehnenreflexe
(Achillessehnenreflex), Neigung zu Muskelkrämpfen, selten:
Dysphagie/Dysarthie (der Buchstabe „R“ kann nicht
mehr richtig ausgesprochen werden)
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Knochen:
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Der Knochenumbau ist
beschleunigt, es kann zu einem Knochenschwund (Osteoporose)
kommen, der jedoch nach Therapie reversibel ist. Die
Calciumausscheidung ist häufig erhöht. Selten kommt es
als Begleiterscheinung bei MB zu einer Akropachie
(„Trommelschlegelfinger“ – keulenförmige
Auftreibung im Bereich der Finger- oder Zehenendglieder).
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Bei Kindern kann es
zu einem verstärkten Wachstum und zu verfrühter
Knochenreifung kommen (vorzeitiger Schluß der
Schädelnähte)
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Hormonsystem:
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die Sexualhormone
können sich verändern, als Folge treten häufig
auf: Menstruationsstörungen (verlängerte, verkürzte
oder gänzlich ausbleibende Regel), Verminderung (selten:
Steigerung) von Libido und Potenz, eingeschränkte
Fruchtbarkeit. MB kann gelegentlich zusammen mit Morbus Addison
(autoimmune Nebennierenschwäche) und Diabetes Typ-I
kombiniert auftreten, ein Diabetes Typ II (Diabetes mellitus)
kann erstmals auftreten, der Insulinbedarf eines Diabetikers
kann sich erhöhen
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Blut/Lymphsystem:
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häufig leichte
Anämie (Blutarmut), erhöhte CK-Werte, erhöhte
AP-Werte (alkalische Phosphatase), niedrige Cholesterinwerte.
Lymphozytose (vermehrte Lymphozytenbildung), selten:
geschwollene Lymphknoten, vergrößerte Thymusdrüse,
vergrößerte Milz.
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Nerven/Psyche:
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gesteigerte Reflexe,
Nervosität, Unruhe, Konzentrationsschwäche,
Rastlosigkeit, gesteigerter Bewegungsdrang, Zittrigkeit,
Schreckhaftigkeit, Angst- und Panikattacken, Schlafstörungen
(typisch: trotz größter Müdigkeit/Erschöpfung
nicht einschlafen können),
Gereiztheit/Agressionen/Wutanfälle (typisch: der Erkrankte
ist oft schon aus nichtigen Anlässen „von Null auf
100“), starke Stimmungsschwankungen („himmelhochjauchzend
– zu Tode betrübt“), die an manisch-depressive
Zustände erinnern (und mit diesen verwechselt werden
können), selten regelrechte Psychosen, delirium-artige
Erregungszustände oder Apathie. Epileptiker können zu
verstärten Krampfanfällen neigen
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Augen:
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Symptome der
endokrinen Orbitopathie: Die Augenbeteiligung bei Morbus Basedow
beginnt oft schleichend mit vermehrter Lichtempfindlichkeit,
Jucken, Fremdkörpergefühl („Sand im Auge“),
Druckgefühl hinter dem Auge, Tränen der Augen, Kopfweh
(im Schläfenbereich), Schwellungen der Lider, Sehstörungen
(unscharfes/verschwommenes Sehen, Blickfeldeinschränkungen).
Im fortgeschrittenerem Stadium der EO kommt es zu einem
Hervortreten der Augen aus den Augenhöhlen (Exopthalmus)
aufgrund eines Anschwellens des Augenhintergrundgewebes. Das
Hervortreten der Augen tritt meist doppelseitig auf, oft ist
aber ein Auge mehr als das andere betroffen; selten treten beide
Augen gleich stark hervor.
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In sehr schweren
Fällen – sie sind glücklicherweise selten -
kommt es zu einem sogenannten „malignen Exophthalmus“,
bei dem die Augen sehr stark hervortreten. In der Folge kommt es
zu Motilitätsstörungen der Augenmuskeln (die
Augenmuskeln können das Auge nicht mehr richtig bewegen)
und daraus resultierend zur Entwicklung von Doppelbildersehen
und/oder Schielen. Häufige Folge eines starken Exophthalmus
ist auch, daß die Augenlider nicht mehr richtig
geschlossen werden können (Lagopthalmus), wodurch es zu
Verletzungen und Austrockung der Augenhornhaut kommen kann. Wenn
der Sehnerv durch die Schwellung hinter den Augen ebenfalls
beeinträchtigt wird, droht im Extremfall Erblindung.
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Diagnose:
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Die
Verdachtsdiagnose wird wahrscheinlich zunächst einmal der
Hausarzt stellen. Allerdings ist es wichtig, daß sich der
Betroffene möglichst bald in die Hände eines
Facharztes (Endokrinologe, auf Schilddrüsenkrankheiten
spezialisierter Internist, Radiologe oder Nuklearmediziner)
begibt, da die Therapie des Morbus Basedow unbedingt in
erfahrene Arzthände gehört!
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Zu Beginn der
Diagnose sollte unbedingt eine gründliche Anamnese
erfolgen, in der neben dem Krankheitsverlauf und den Symptomen
und einer eventuellen übermäßigen Jodbelastung
(etwa nach Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln oder
Behandlung mit jodhaltigen Medikamenten) auch unbedingt nach
Schilddrüsenerkrankungen in der Familie gefragt werden
sollte. Auch die Frage, ob der Betroffene Raucher ist, sollte
nicht fehlen, da Rauchen einen Risikofaktor darstellt und den
Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen kann.
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Danach sollte der
Arzt die Schilddrüse untersuchen und abtasten, um
festzustellen, ob sie vergrößert ist und ob ihre
Struktur auffällig verändert ist (Knoten). Bei Morbus
Basedow lässt sich bei der Tastuntersuchung häufig das
typische „Schwirren“ feststellen – eine
leichte Vibration in der Schilddrüse, ausgelöst durch
die verstärkte Durchblutung des Gewebes.
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Anschließend
sollte immer eine Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse
erfolgen. Bei Morbus Basedow ist die Schilddrüse in der
Regel diffus vergrößert (Struma diffusa) und das
Ultraschallbild ist echoarm (das Bild der Schilddrüse
erscheint dunkel im Ultraschall). Daneben muß auf Knoten
in der Schilddrüse geachtet werden.
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Eine Szintigrafie
sollte immer dann vorgenommen werden, wenn mittels Ultraschall
oder Abtasten Knoten in der Schilddrüse gefunden werden
(zwecks Abgrenzung zur funktionellen Autonomie (Überfunktion
durch heiße Knoten in der Schilddrüse)) oder wenn die
bisherige Diagnostik keine eindeutige Diagnose erlaubt. In der
Regel kann auf eine Szintigrafie allerdings bei Morbus Basedow
verzichtet werden.
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Um eine
Schilddrüsenüberfunktion festzustellen oder
auszuschließen sollte unbedingt eine Blutuntersuchung
erfolgen, bei der TSH, fT3 und fT4 bestimmt werden sollten. Eine
Schilddrüsenüberfunktion liegt dann vor, wenn TSH
supprimiert ist (<0,1) und fT3 und fT4 erhöht sind.
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Wird eine
Schilddrüsenüberfunktion festgestellt, sollten die
Schilddrüsenautoantikörper bestimmt werden, und zwar
TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper), TPO-AK (Antikörper
gegen die Schilddrüsenperoxidase), sowie evtl. zusätzlich
Tg-AK (Thyreoglobulin-Antikörper; auf diese Antikörperart
kann normalerweise bei positiven TRAK/TPO-AK auch verzichtet
werden; bei negativen oder grenzwertigen TRAK/TPO-AK kann die
Bestimmung jedoch sinnvoll sein).
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Werden zusätzlich
zu einer Schilddrüsenüberfunktion auch typische
Symptome einer endokrinen Orbitopathie vorgefunden, so gilt der
Morbus Basedow als bewiesen (auch wenn die Antikörperbefunde
vielleicht nicht eindeutig sind). Bei Diagnose eines Morbus
Basedow mit endokriner Orbitopathie sollte unbedingt ein auf
diesem Gebiet erfahrener Augenarzt aufgesucht und in die
Therapie mit einbezogen werden.
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Therapie:
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Thyreostatische
Therapie
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Während in den
USA und vielen anderen Ländern die Radiojodtherapie als
erste Therapiewahl gilt, wird hier in Deutschland in der Regel
zunächst die medikamentöse Therapie mit Thyreostatika
(schilddrüsenhemmende Mittel) bevorzugt.
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Thyreostatika wie
Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil hemmen die
Hormonproduktion in der Schilddrüse und können so die
Überfunktion beseitigen. Diese Medikamente beseitigen
allerdings nicht die Ursache, d.h. die Krankheit Morbus Basedow
können sie nicht heilen, sondern nur die Überfunktion
beenden und damit meistens auch die meisten Symptome
unterdrücken.
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Der Morbus Basedow
neigt jedoch zur Remisson (Spontanheilung), d.h. es kommt bei
ca. 40-50 % der Betroffenen nach 1-2 Jahren zu einem spontanen
Abflauen bzw. völligen Stillstand des Autoimmunprozesses.
Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, die Zeit bis zum Eintritt
dieser Remission mit einer thyreostatischen Langzeittherapie zu
überbrücken, so daß der Betroffene ohne die
körperliche und psychische Belastung einer Überfunktion
abwarten kann, ob der Morbus Basedow zum Stillstand kommt.
Daneben haben Thyreostatika auch eine leicht immunsuppressive
(das Immunsystem unterdrückende) Wirkung, was den Eintritt
einer Remission auch positiv beeinflussen kann.
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Anfangs sollte
zusätzlich zum Thyreostatikum auch ein Betablocker
(Metoprolol) verordnet werden, da dieser zum einen die Belastung
des Herzes durch die Tachykardie mindert und hilft, den Puls
wieder zu normalisieren; zum anderen hemmt Metoprolol auch die
Umwandlung von T4 in T3 und kann damit auch zu schnelleren
Normalisierung der Werte beitragen. Wenn die akute Überfunktion
vorbei ist, kann der Betablocker meistens wieder langsam
ausgeschlichen werden (sollte nicht abrupt abgesetzt werden).
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Die thyreostatische
Therapie sollte mindestens 1 Jahr, jedoch in der Regel nicht
länger als 2 Jahre durchgeführt werden. Anfangs werden
höhere Initialdosen des Thyreostatikums gegeben (z. B.
10-40 mg Thiamazol), im späteren Krankheitsverlauf kann die
Dosis in der Regel nach und nach immer weiter reduziert werden,
bis nur noch eine niedrige Erhaltungsdosis (z. B. 2,5 – 10
mg Thiamazol) ausreicht, um die Schilddrüsenfunktion
ausreichend zu unterdrücken.
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Ziel der
thyreostatischen Therpie ist die schnelle Beseitung der
Überfunktion und Herbeiführen der Euthyreose (normale
Schilddrüsenfunktion). Auf keinen Fall sollte eine
Unterfunktion der Schilddrüse herbeigeführt werden, da
dies nicht nur das Allgemeinbefinden des Betroffenen erheblich
verschlechtern kann, sondern auch eine Augenbeteilung (EO)
verschlimmern oder sogar erst auslösen kann. Wichtigster
Grundsatz bei der Durchführung der Therapie ist daher:
Überfunktion rasch beseitigen, jedoch Unterfunktion
unbedingt vermeiden!
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Während der
Therapie ist eine regelmäßige Kontrolle der
Schilddrüsenwerte erforderlich. Anfangs sollten die
Blutwerte alle 1-2 Wochen bestimmt werden, dann alle 3-4 Wochen.
Noch später reichen auch größere
Kontrollabstände (6-12 Wochen).
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Bestimmt werden
sollten zur Therapiekontrolle grundsätzlich: TSH, fT3 und
fT4. Bei Morbus Basedow ist der TSH oft sehr lange (mehrere
Wochen bis Monate) supprimiert, d.h. noch zu niedrig, und zwar
weil die TRAK die TSH-Ausschüttung unterdrücken und
der Hypopyhsen-Schilddrüsenregelkreis durch die
vorangegangene Überfunktion häufig noch längere
Zeit gestört ist. Aus diesem Grunde ist es wichtig, bei
Kontrollen nicht nur TSH zu bestimmen, sondern grundsätzlich
auch fT3 und fT4. Sobald fT3 und fT4 wieder innerhalb des
Normbereiches sind, muß die Dosis der Thyreostatika auf
eine niedrigere Dosis reduziert werden (nicht erst, wenn TSH
über die Norm ansteigt!!!!). Wenn TSH wieder in den
Normbereich ansteigt, sollte er im Bereich zwischen ca. 0,3 bis
maximal 1 (bei vorhandener EO bis 0,8) liegen. Die fT-Werte
sollten im mittleren bis oberen Bereich liegen. Ein TSH-Anstieg
über 1 sollte vermieden werden, um keine Unterfunktion der
Schilddrüse zu riskieren.
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Wenn es selbst unter
einer sehr geringen Erhaltungsdosis des Thyreostatikums zu einer
Unterfunktionstendenz kommen sollte, kann eine sogenannte
Kombinationstherapie mit Thyreostatika + Schilddrüsenhormon
(L-Thyroxin) durchgeführt werden. Dabei werden eine
niedrige Dosis Thyreostatika (z. B. 5 mg Thiamazol ) mit 50-75
µg L-Thyroxin kombiniert, um die Werte stabil euthyreot zu
halten.
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Die
Schilddrüsenantikörper brauchen während der
Therapie in der Regel nicht nochmals bestimmt zu werden, da ihre
Höhe nur wenig Rückschluß auf den Verlauf der
Erkrankung gibt. Lediglich die TRAK sollten am Ende der
thyreostatischen Therapie noch einmal bestimmt werden, da
weiterhin hohe Antikörperwerte häufig eine schlechte
Prognose bezüglich des Gelingens eines Auslassversuchs
bedeuten.
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Auslassversuch:
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Nachdem die
thyreostatische Therapie mindestens 1 Jahr lang durchgeführt
wurde (ob die Therapie auf 1 ½ bis 2 Jahre verlängert
werden sollte, muß man vom Einzelfall abhängig
machen) und wenn dabei längere Zeit eine stabile Euthyreose
bestand, kann ein Auslassversuch gestartet werden. Dabei wird
das Thyreostatikum am besten langsam immer weiter reduziert
(ausgeschlichen), bis es völlig abgesetzt wird.
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Unter regelmäßigen
Kontrollen wird dann beobachtet, ob es zu einer Remission des
Morbus Basedow gekommen ist oder ob es zu einem Rezidiv
(Rückfall; Wiederauftreten der Überfunktion) kommt.
Die erste Kontrolle sollte 4 (bis 6) Wochen nach Absetzen des
Thyreostatikums erfolgen, dann nach 3, 6 und 12 Monaten. Die
meisten Rezidive (2/3) treten innerhalb des ersten Jahres nach
Beginn des Auslassversuches auf, jedoch sind Rezidive auch nach
vielen Jahren noch möglich. In 2-3 % der Fälle
entwickelt sich während des Auslassversuches eine
Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion).
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Auch bei einem
erfolgreichen Auslassversuch sollte ein Betroffener darum seine
Schilddrüsenwerte für den Rest seines Lebens
wenigstens 1 x pro Jahr untersuchen lassen.
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Definitive
Therapie:
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Wenn eine
thyreostatische Therapie erfolglos bleibt und es zu einem
Rezidiv kommt oder wenn die thyreostatische Therapie aus Gründen
wie z. B. schwere Unverträglichkeitsreaktionen nicht
durchgeführt werden kann, so muß bei Morbus Basedow
eine definitive Therapie erfolgen.
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Dabei stehen
grundsätzlich zwei Verfahren zur Verfügung: die
Radiojodtherapie und die Strumaresektion (operative
Schilddrüsenentfernung).
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Radiojodtherapie:
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Bei der
Radiojodtherapie (RJT) ist eine so genannte nicht-invasive
Therapie, bei der der Betroffene eine Kapsel mit radioaktivem
Jod (Jod123) schluckt. Das radioaktive Jod wird von der
Schilddrüse gespeichert und führt dann von innen
heraus zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes.
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Ziel der RJT ist es,
eine weitere Überfunktion der Schilddrüse sicher
unmöglich zu machen und eine vergrößerte
Schilddrüse wieder zu verkleinern. Bei Morbus Basedow
sollte die Radiojoddosis möglichst so hoch gewählt
werden, daß nur noch sehr wenig funktionierendes Gewebe
erhalten bleibt, um ein Rezidiv möglichst sicher
auszuschließen. Der Preis dafür ist allerdings
meistens, daß nach der RJT das Schilddrüsenrestgewebe
nicht mehr eine für den Körper ausreichende
Hormonmenge herstellen kann, weswegen zur Vermeidung einer
Unterfunktion dann die fehlende Hormonmenge durch Gabe von
künstlichem Schilddrüsenhormon ersetzt werden muß
(in der Regel lebenslang).
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In Deutschland ist
aufgrund der Strahlenschutzbestimmungen für die RJT
zwingend ein stationärer Aufenthalt (je nach eingesetzter
Dosis ca. 4-5 Tage) in einer entsprechend ausgerüsteten
Klinik erforderlich. Während des stationären
Aufenthalts darf der Betroffene keinen Besuch empfangen.
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Eine RJT ist
geeignet für Betroffene, deren Schilddrüse nicht zu
sehr vergrößert ist (<50 ml), die bereits einmal
an der Schilddrüse operiert worden sind (Rezidivstruma),
wenn das OP-Risiko erhöht ist oder wenn der Betroffene
keine OP will, wenn keine oder nur eine geringgradige EO
besteht.
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Eher ungeeignet ist
die Radiojodtherapie für Patienten mit sehr großer
Schilddrüse (>50 ml), bei gleichzeitigem vorliegen von
kalten Knoten, bei Kindern und Jugendlichen, bei Frauen mit
dringendem Kinderwunsch (Wartezeit für eine Schwangerschaft
nach einer RJT mindestens 6, besser noch 12 Monate!) und bei
Patienten mit EO (bei Vorhandensein von Augensymptomen sollte
eine RJT grundsätzlich nur unter Cortisonschutz
durchgeführt werden! Bei schwerer EO sollte eine OP
bevorzugt werden).
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Absolut
kontraindiziert ist eine Radiojodtherapie bei Schwangeren,
Stillenden, bei Betroffenen mit thyreotoxischer Krise, bei
Malignomverdacht (Verdacht auf Schilddrüsenkarzinom).
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Nach der
Durchführung der RJT tritt deren Wirkung durchschnittlich
erst nach 6-12 Wochen ein. Es kann deshalb eventuell notwendig
sein, bis zum Wirkungseintritt noch vorübergehend weiter
mit Thyreostatika zu behandeln, um eine Überfunktion zu
unterdrücken. Wenn vor der RJT nur noch sehr niedrige
Erhaltungsdosen nötig waren, kann das Thyreostatikum jedoch
meistens unmittelbar nach der RJT abgesetzt werden.
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Die Nachsorge nach
der RJT muß unbedingt gewissenhaft erfolgen. Leider ist es
heutzutage oft noch so, daß Ärzte nach
Wirkungseintritt der RJT und der damit in der Regel fast immer
einsetzenden Hypothyreose oft erst viel zu spät
Schilddrüsenhormone verordnen, was dann für die
Betroffenen völlig unnötiges Leid und oftmals auch
eine Verschlimmerung oder gar erst Auslösung einer
endokrinen Orbitopathie beschert.
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Aus diesem Grunde
sollten nach einer RJT die Schilddrüsenwerte sehr
engmaschig (am besten alle 2-3 Wochen) kontrolliert werden, um
den Zeitpunkt des Wirkungseintrittes der RJT wirklich
festzustellen. Oftmals werden erst 6-8 Wochen nach der RJT
erstmals die Werte kontrolliert – bei manchen Betroffenen
ist es dann jedoch zu einer Unterfunktion gekommen.
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Es sollte nach einer
RJT keinesfalls abgewartet werden, bis eine Unterfunktion
eintritt. Der TSH ist ein denkbar schlechter Kontrollparameter,
wann nach der RJT mit der Gabe von Schilddrüsenhormon
begonnen werden sollte, da sein Anstieg oft erst sehr
zeitverzögert einsetzt. Der beste Kontrollparameter ist fT4
– mit der Hormonsubstitution sollte bereits begonnen
werden, wenn dieser Wert sich dem unteren Normbereich annähert.
Das ist besonders wichtig, bei Patienten mit EO – hier
sollte ein TSH-Anstieg unter allen Umständen vermieden
werden, um die EO nicht zu verschlimmern.
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Es sollte dann mit
einer täglichen Dosis von 50 – 75 µg L-Thyroxin
begonnen werden – die Dosis muß dann je nach
Befinden und Schilddrüsenwerten weiter angepasst werden
(Wertekontrollen alle 4-6 Wochen bis zum Erreichen guten
Befindens und euthyreoter Werte (Ziel sollte ein TSH-Wert im
unterem Normbereich (0,3 –1) sein, die fT-Werte sollten im
mittleren bis oberen Normbereich liegen).
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Operation
(Strumaresektion):
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Die operative
Entfernung der Schilddrüse ist eine weitere Möglichkeit
der definitiven Therapie. Sie darf nur nach ausreichender
medikamentöser Vorbehandlung und bei euthyreoter
Stoffwechsellage durchgeführt werden. Lediglich in
besonderen Ausnahmefällen ist der Eingriff auch im Zustand
der akuten Überfunktion durchzuführen (bei
thyreotoxischer Krise, die eine Schilddrüsenentfernung als
lebensrettende Maßnahme zwingend erforderlich macht).
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Die Operation
erfolgt grundsätzlich in Vollnarkose. Dabei wird die
Schilddrüse entweder subtotal („near total“;
Rest von maximal 2-4 ml – größere
Schilddrüsenreste bergen ein erhöhtes Rezidivrisiko!)
oder total entfernt. Für die OP ist ein stationärer
Aufenthalt von 2-5 Tagen erforderlich. Nach der subtotalen bzw.
der totalen Schilddrüsenentfernung ist grundsätzlich
eine lebenslange Hormonsubstitution mit Schilddrüsenhormon
erforderlich, um eine Unterfunktion zu vermeiden.
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Vorteil der OP ist,
daß die Überfunktion damit rasch, sicher und ohne
längere Wartezeit beseitigt werden kann. Die Wirkung tritt
unmittelbar postoperativ ein, Thyreostatika können sofort
nach der OP abgesetzt werden. Das Rezidivrisiko ist bei der
subtotalen und der totalen Strumaresektion sehr gering (0 –
2 %). Mit der notwendigen Hormonsubstitution kann unmittelbar
nach der OP und annähernd mit der voraussichtlich
notwendigen Erhaltungsdosis begonnen werden.
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Nachteil der OP ist,
daß es ein invasiver Eingriff ist, für den eine
Vollnarkose notwendig ist und der natürlich auch mit
gewissen Risiken einhergeht. Neben dem allgemeinen Narkoserisiko
(<0,1 %) besteht bei der OP das Risiko einer Nachblutung (ca.
5 %), einer Recurrensparese (Verletzung des Stimmbandnerves und
daraus folgender ein- oder beidseitiger Stimmbandlähmung;
1-3 %) sowie das Risiko der versehentlichen Verletzung oder
Entfernung der an der Hinterseite der Schilddrüse liegenden
Nebenschilddrüsen und daraus folgendem
Hypoparathyreoidismus (Unterfunktion der Nebenschilddrüsen;
ca. 1-2 %). Ein kosmetischer Nachteil ist die sichtbare Narbe am
Hals, wobei die Narbe normalerweise zu einem kaum sichtbaren
Strich am Hals verheilt (Komplikation kann eine wulstige
Narbenbildung sein).
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Bei der OP wird ein
3-4 cm langer Hautschnitt etwa in Höhe der ...grube gemacht
und die Schilddrüsenlappen nach sorgfältiger
Freilegung der rechts und links jeweils verlaufenden
Stimmbandnerven und unter Schonung der Nebenschilddrüsen
herausoperiert. Die OP-Wunde wird (je nach Chirurg) geklammert,
geklebt oder mit Fäden (selbstauflösend oder auch
nicht) wieder verschlossen. Dabei wird in der Regel ein dünner
Drainageschlauch in die Wunde gelegt, um Wundwasser und Blut
ablaufen zu lassen (was Schwellungen und Blutergüsse
vermindert). Der Drainageschlauch wird in der Regel bereits am
Tag nach der OP wieder entfernt. Die Fäden (sofern
nicht-selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet wurde)
werden in der Regel nach etwa 7-10 Tagen gezogen.
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Auch nach einer
Schilddrüsen-OP ist eine gewissenhafte Nachsorge sehr
wichtig. Noch in der Klinik sollten nach der OP unbedingt die
Calcium- und Phospatwerte im Blut bestimmt werden, um einen
postoperativen Hypoparathyreoidismus auszuschließen (im
Falle, daß ein solche festgestellt würde, wäre
eine Behandlung mit Calcium- und Vitamin D3-Präperaten
erforderlich).
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Mit der
Hormonsubstitution kann unmittelbar nach der OP begonnen werden
– spätestens bei Entlassung aus der Klinik sollte dem
Betroffenen ein entsprechendes Schilddrüsenhormonpräperat
verordnet werden. Als Standardanfangsdosis gelten 100 µg
L-Thyroxin; je nach Körpergewicht kann diese Anfangsdosis
jedoch auch höher (seltener niedriger) gewählt werden.
Man rechnet mit einer Erhaltungsdosis von ca. 2 µg pro
Kilogramm Körpergewicht/Tag.
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Nach Beginn der
Schilddrüsenhormoneinnahme sollte die erste Wertekontrolle
nach 4-6 Wochen erfolgen und dann jeweils 4-6 Wochen nach einer
Dosisänderung, um die Dosis individuell und bedarfsgerecht
auf den Betroffenen anzupassen. Kontrolliert werden sollten
unbedingt TSH, fT3 und fT4. Ziel sollte ein TSH im unteren
Normbereich sein (0,3 – 1), die fT-Werte sollten im
mittleren bis oberen Normbereich liegen.
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Wenn eine gute
Einstellung und gutes Befinden erreicht ist, können die
Kontrollabstände auch weiter ausgedehnt werden, erst auf 3,
dann auf 6 Monate. Der Betroffene sollte seine Schilddrüsenwerte
lebenslang mindestens 1 bis 2 mal pro Jahr prüfen lassen.
Eine Ultraschallkontrolle ist ca. 6-12 Wochen nach der OP und
danach 1 x jährlich ratsam.
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Morbus Basedow“ von Leveke Brakebusch u. Armin E.
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erstellt am 29.06.05, aktualisiert am 22.01.09
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