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Medizingeschichte „Schilddrüse“
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1900

1901 Philipp Schech (1845 – 1905, deutscher Laryngologe) behandelt Kropfpatienten mit „Thyrojodin“ (Schilddrüsensubstanzen vom Hammel oder Schwein) und beobachtet dass einige Patienten davon Übelkeit, Herzklopfen, Gewichtsverlust und weitere Symptome erleiden. Dies bezeichnet er als „Thyreoidismus“ – seiner Ansicht nach eine Reaktion auf verdorbene Tabletten. Nach heutigem Wissensstand vermutlich eine Überdosierung mit Schilddrüsenhormonen (hyperthyreosis factitia).
1902 Die englischen Physiologen Ernst Henry Starling (1866 – 1927) und William Maddock Bayliss (1866 - 1924) erforschen als erste, dass Drüsen Substanzen absondern. Diese bezeichnen sie zunächst als Sekretin, später als Hormon und gelten damit als Begründer der Endokrinologie.
1904 Entdeckung der Thyreoiditis de Quervain durch Fritz de Quervain (1868 – 1940)
1906 Ein weiterer Medizinirrtum war Sigmund Pollaks (1888 – 1977) Promotion „Über die Tuberkulose der Schilddrüse“
1911 beschrieb Harry E. Alderson Möglichkeiten der Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion und -unterfunktion. Zur Minderung der Schilddrüsenfunktion waren Opioide, Bromide, Hypnotika, Glycerophosphate aus der Linde, Calcium, Milch, getreidereiche Ernährung und sexuelle Enthaltung wirksam. Zur Anregung der Schilddrüsenfunktion trugen Schilddrüsenextrakte, Jod, Arsen, Salicylate, Phosphor, Alkohol, Pilocarpin, Tee, Kaffee, Fleisch, sexuelle Betätigung, Gebärmutterleiden, Schwangerschaft und große emotionale Aufregungen bei.
1912 Hakaru Hashimoto (1881 - 1934, japanischer Pathologe und Chirurg) veröffentlicht seine Entdeckung der Struma lymphomatosa. Das Krankheitsbild einer vergrößerten Schilddrüse in Verbindung mit einer Schilddrüsenunterfunktion, welche später als Hashimoto-Thyreoiditis nach ihm benannt wurde.

Im Grossen und Ganzen handelt es sich bei unseren histologischen Befunden weder um infectiöse oder toxische, noch um tumorartige Veränderungen, sondern wahrscheinlich um eine eigenthümliche Art von chronischer Entzündung, die bis jetzt meines Wissens noch nicht bekannt gemacht worden ist. […] 1. Es gibt eine Art von Struma, die ich als Struma lymphomatosa bezeichnet habe und die sich histologisch durch eine mächtige Wucherung der lymphatischen Elemente, vor allem der Lymphfollikel und durch eine gewisse parenchymatöse, sowie interstitielle Veränderungen kennzeichnet. 2. Die Struma lymphomatosa bietet in vorgeschrittener Form eine aufallend derbe Consistenz der Drüse dar, die eine bösartige Geschwulst vortäusche kann. 3. Im weiteren Verlaufe nach der Operation bedurfte es meist eines langen Zeitraums bis zur Wiederherstellung der Gesundheit. 4. Die Prognose ist quod vitam günstig. 5. Die operative Therapie bringt den Tumor zum Verschwinden, aber man muss sich vor zu ausgiebiger Resection hüten. Das Zurückbleiben eines Theils der Geschwulst schadet nicht. Sie fällt mit der Zeit von selbst dem Schwunde anheim.“ (Dr. H. Hashimoto, "Zur Kenntnis der lymphomatösen Veränderung der Schilddrüse. Struma lymphomatosa", Archiv für Klinische Chirurgie, Bd.97/1912, S. 167, 176 f.)

1916 Edward Calvin Kendall (1886 - 1972, amerikanischer Biochemiker, erhielt 1950 den Medizin-Nobelpreis "Für die Entdeckungen bei den Hormonen der Nebennierenrinde, ihrer Struktur und ihrer biologischen Wirkungen") extrahiert eine Substanz aus der Schilddrüse, die er Thyroxin nennt. Die Chemische und pharmazeutische Fabrikation Dr. Georg Henning (Berlin) produzierte als erstes deutsches Unternehmen "Kendallsches Thyroxin".
1920 Publikation der ersten positiven Ergebnisse des amerikanischen Therapieversuchs mit Jod (Jodprophylaxe) an Schulkindern in Ohio.
1922 Einführung des Jodsalzes im Schweizer Kanton Appenzell.
1924 In den USA wird jodiertes Speisesalz eingeführt.
1924 Bernardo Alberto Houssay (1887 – 1971, argentinischer Arzt, erhielt 1947 den Nobelpreis "Für seine Entdeckung der Bedeutung der Hormone des Hypophysenvorderlappens für den Zuckerstoffwechsel") erkennt zumindest ansatzweise die Bedeutung der Hypophyse für den Hormonstoffwechsel.
1926 C. R. Harrington (1897 - 1972, britischer Chemiker) entdeckt die genaue chemische Formel des Thyroxins.
1927 Das Schilddrüsenhormon T4 wird durch Harrington und George Barger (1878 - 1939, schottischer Chemiker) erstmals künstlich hergestellt.
1929 Die französischen Physiologen Max Aron (1892 – 1974) und Leon Löb (1865 – 1959) entdecken das Hypophysenhormon TSH. Im englischen Sprachraum wird diese Entdeckung Colipp und Anderson für das Jahr 1935 zugeschrieben.
1942 Erste Radioiodtherapie beim Morbus Basedow durch Evans, Herzt, Hamilton, Lawrence und Roberts.
1942 Astwood erprobt die Behandlung der Hyperthyreose mit Thiouracil
1951 Erste Durchführung der Schilddrüsenszintigraphie.
1951 Entwicklung von Thyreostatika (Carbimazol) zur medikamentösen Behandlung der Hyperthyreose.
1952 J. Gross und Rosalind Pitt-Rivers entdecken das Trijodthyronin.
195? Vermutlich von John J. Wild, H. Douglas und Joseph H. Holmes wird die erste Sonografie der Schilddrüse durchgeführt.
1958 Das Unternehmen Hoechst bringt mit Thybon das erste T3-Präparat auf den deutschen Markt.
1961 Douglas Harold Copp (1915 – 1998, kanadischer Arzt) und E. C. Cameron entdecken das Calcitonin.
1965 Entdeckung der Struktur von Antikörpern.
1965 Beschreibung des ersten TSH-Tests durch W. D. Odell, J. F. Wilber und E. E. Paul.
1969 K. Sterling gelingt die Messung von T3 im Blutserum.
1969 R. Burgus und R. Guillemin entdecken das TRH (In anderen Quellen wird dies Erwin, Greer und Moll um 1961 zugeschrieben). Im gleichen Jahr wird TRH durch Rosalyn Sussman Yalow (*1921, Amerikanerin, erhielt 1977 den Medizin-Nobelpreis "Für die Entwicklung radioimmunologischer Methoden der Bestimmung von Peptidhormonen") erstmals synthetisiert.
1970 L. E. Braverman entdeckt die Konversion von T4 zu T3.
1971 Die Therapie mit Extrakten aus getrockneten Schweineschilddrüsen wird zumindest in Deutschland zugunsten der Therapie mit synthetischem T4 verlassen.
1975 Dieter Hötzel (dt. Ernährungswissenschafter) und J. Habermann (dt. Pharmakologe) weisen auf den weit verbreiteten Jodmangel in Deutschland hin. Damit beginnen die Diskussionen um die Lebensmitteljodierung.
1976 In Deutschland wird das Jodsalz eingeführt. Zunächst (bis 1981) ist noch der Warnhinweis "Nur bei ärztlich festgestelltem Jodmangel zu verwenden" aufgedruckt.
1984 Gründung des Arbeitskreises Jodmangel durch Mitglieder der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
1985 Gründung der Interdisziplinären Jodkommission in der DDR.
1995 Gründung der Schilddrüsenliga e.V. durch Peter Pfannenstiel (*1934, deutscher Arzt für Innere Medizin/Nuklearmedizin).
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Homepage erstellt am 22.03.05, aktualisiert am 02.09.11.
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