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Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern
Navigation: Einleitung, Krankheitssymptome, Untersuchungsbefunde, Therapie, genetische Ursachen, aktuelle Studienergebnisse, Weblinks
Neugeborenen-Screening bietet keine hundertprozentige Sicherheit

Jedes 3000ste Neugeborene kommt mit einer angeborenen Hypothyreose auf die Welt. Da diese Stoffwechselerkrankung unerkannt zu schweren Entwicklungsstörungen führen kann wird zwischen dem 3. und 5. Lebenstag ein Neugeborenenscreening durchgeführt. Dabei kommt es immer wieder zu Fehlern, weil gering erhöhten TSH-Werten keine Bedeutung beigemessen wird, falsche Werte übermittelt oder Blutproben vertauscht werden.
(Irreversible Schädigung durch angeborene Hypothyreose - Neugeborenen-Screening bietet keine hundertprozentige Sicherheit, MMW-Fortschr. Med. 8/2008)


Athyreose: Bedarf an Levothyroxin zur Substitutionstherapie sinkt mit dem Erwachsenwerden

Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen nimmt mit dem Älterwerden ab.
Neugeborene bis zu 3 Monaten: Bedarf von 10 – 15 µg Levothyroxin pro kg Körpergewicht
Kleinkinder im Alter von 8 bis 12 Monaten: Bedarf von 8 – 10 µg Levothyroxin pro kg Körpergewicht
Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren: Bedarf von 4 – 6 µg Levothyroxin pro kg Körpergewicht
Jugendliche bis 16 Jahre: Bedarf von 2 – 3 µg Levothyroxin pro kg Körpergewicht
Erwachsene: Bedarf von 1,5 µg Levothyroxin pro kg Körpergewicht
(R. Gärtner, M. Reincke "Substitution von Schilddrüsenhormonen", Internist 2008, 49:538–544)


Erhöhter TSH-Wert bei übergewichtigen Jugendlichen kein Beweis für eine Hypothyreose

Ein erhöhter TSH-Wert wird bei etwa 7,5 % aller übergewichtigen Kinder festgestellt und sollte diagnostisch weiter abgeklärt werden. Die Ursache dafür ist nach Aussagen von Dr. Annette Grüters jedoch nur selten eine Schilddrüsenunterfunktion, sondern häufiger der Zusammenhang von TRH- und Leptin-Rezeptor, d.h. wenn die Kinder abnehmen, sinkt auch der TSH-Wert wieder in den Normbereich. Bei normalgewichtigen Kindern kommt es in 10% der Fälle durch eine Mutation des TSH-Rezeptors zu einem erhöhten TSH-Wert.
(Isolierter TSH-Anstieg im Kindesalter - Bei Adipositas ist das meist ohne Bedeutung, MMW-Fortschr. Med. 8/2008)


Jodversorgung bei Kindern und Jugendlichen adäquat

Das Berliner Robert-Koch-Institut führte von 2003 bis 2006 eine Studie zur Jodversorgung bei Kindern und Jugendlichen durch.
Insgesamt haben 8656 Mädchen und 8985 Jungen im Alter bis 17 Jahren an der Studie teilgenommen.
Gemäß der Kriterien der Weltgesundheitsorganisation wurde festgestellt, dass
16,5 % der Kinder und Jugendlichen mit Jod unterversorgt sind (< 50 µg/L Jodausscheidung)
51,1 % der Kinder und Jugendlichen ausreichend mit Jod versorgt sind (50 - 150 µg/l Jodausscheidung)
32,4 % der Kinder und Jugendlichen mit Jod überversorgt sind (> 150 µg/L Jodausscheidung)
(M. Thamm, U. Ellert, W. Thierfelder, K.-P. Liesenkötter, H. Völzke "Jodversorgung in Deutschland - Ergebnisse des Jodmonitorings im Kinder und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)", Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 2007, 50:744–749)


Mädchen erkranken immer früher an Hashimoto-Thyreoiditis

Dr. Karin Frank Raue weist darauf hin, dass Mädchen immer früher an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkranken.
Für die Diagnose wegweisende Symptome waren Müdigkeit, Struma, Übergewicht und Schluckbeschwerden.
Hinzu kamen objektivierbare Befunde
75 % TSH > 4,6 mU/L
78 % positive TPO-AK
80 % echoarme Schilddrüse
39 % vergrößertes Schilddrüsenvolumen
(Karin Frank-Raue "Grenzwertige Schilddrüsenbefunde - Aufgepasst bei Schwangeren und Jugendlichen", Hausarzt 2/07)


Typ-I-Diabetes und Autoimmunthyreoiditis treten oft gemeinsam auf

Kinder und Jugendliche, die an einem Diabetes mellitus Typ 1 leiden haben ein deutlich erhöhtes Risiko zusätzlich eine Autoimmunthyreoiditis zu entwickeln. Von den unter 5jährigen Diabetikern haben zwar nur 3,7 % pathologische Schilddrüsenautoantikörper, bei den über 15 jährigen Diabetikern sind es jedoch bereits 25,3 %. Anhand einer Studie wurde jetzt festgestellt, das der frühzeitige Beginn einer Schilddrüsenhormontherapie zu einer deutlichen Reduktion des zuvor vergrößerten Schilddrüsenvolumens führt. Ein Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion und vorhandene Schilddrüsenautoantikörper konnte nicht nachgewiesen werden.
(Andrea Rapp "Levothyroxin bei euthyreoter Autoimmunthyreoidits und Typ 1 Diabetes mellitus: eine randomisierte, kontrollierte Studie" (Dissertation), Medizinischen Fakultät der Universität Ulm)

Homepage erstellt am 07.09.09, aktualisiert am 05.10.09
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