- Prof.
Dr. Armin E. Heufelder
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Innere Medizin –
Endokrinologie - Diabetologie – Rheumatologie
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Einführung
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Die
Immunthyreoiditis Hashimoto gilt gemeinhin immer noch als
Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, deren Pathogenese in
Dunkeln liegt und deren Verlauf nicht beeinflusst werden kann.
Nach gängiger Praxis wird den betroffenen Patienten daher
mitgeteilt, dass eine Behandlungsnotwendigkeit nur dann bestehe,
wenn sich eine Hypothyreose abzeichne. In diesem Fall ließen
sich die Beschwerden durch die Einnahme von L-Thyroxin beheben.
Sonstige Behandlungsoptionen bestünden nicht und seien auch
nicht erforderlich. Wird (mit oder ohne Substitution von
Schilddrüsenhormonen) biochemisch eine normale
Schilddrüsenfunktion festgestellt, geben dennoch weiter
bestehende Symptome, Beschwerden und Befindensstörungen
meist Rätsel auf und werden dann oft psychosomatischen
Ursachen zugeordnet. „Die Beschwerden der Patientin sind
nicht durch eine Hypothyreose zu erklären und damit nicht
der Schilddrüse zuzuordnen“, so oder ähnlich
lautet das immer wiederkehrende Fazit in Arztbriefen, auch von
Fachärzten und spezialisierten Thyreologen. Die betroffenen
Patienten bleiben mit ihren Beschwerden in einer frustrierenden
Situation zurück: obwohl sie sich krank fühlen, kann
die moderne Medizin an ihnen nichts Auffälliges finden und
ihnen keine wirksame (und schon gar keine kausal orientierte)
Behandlungsoption anbieten. Sie fühlen sich nicht zu
Unrecht fehldiagnostiziert, nicht verstanden und nicht ernst
genommen.
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Diese
unbefriedigende Situation hat in unserem Zentrum im Jahre 1998
ein Projekt begründet, in dem seitdem die Symptome und
Beschwerden aller
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unserer Patienten
mit Hashimoto-Thyreoiditis (HT) detailliert erfasst werden,
ebenso wie das Ansprechen auf verschiedene
Behandlungsprotokolle. Mittlerweile umfasst die Datenbasis über
5680 Frauen und Männer mit biochemisch und sonographisch
dokumentierter Immunthyreoiditis. Dieser Fundus an
anamnestischen, klinischen, biochemischen und bildgebenden Daten
erlaubt es, das Krankheitsbild der HT und ihrer assoziierten
Komorbiditäten genauer zu charakterisieren und damit zu
einer der Pathophysiologie und unseren Patienten besser gerecht
werdenden Versorgungsform zu gelangen.
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Definition
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Die
Immunthyreoiditis Hashimoto ist die häufigste, zur
Unterfunktion der Schilddrüse führende
Autoimmunerkrankung. Es handelt sich um eine systemische
Autoimmunerkrankung mit zellulärer Infiltration der
Schilddrüse und Bildung von Autoantikörpern gegen
bestimmte Schilddrüsenproteine (Thyreoperoxidase,
Thyreoglobulin, u.a.). Eng assoziiert sind Autoimmunreaktionen
gegen bestimmte extrathyreoidale Gewebe (Magen, Dünndarm,
Haut, Nebennierenrinde, Speicheldrüsen, Betazellen des
Pankreas, Hypophyse, Bindegewebe, Ovarien u.a.). Selten kommt es
zu einem immunvermittelten Entzündungsprozeß des
orbitalen Binde-, Fett- und Muskelgewebes (endokrine
Orbitopathie; EO).
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Epidemiologie
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Die Prävalenz
der HT in der Bevölkerung ist insbesondere abhängig
vom Alter und Geschlecht. In Mitteleuropa ist die HT bei Frauen
zwischen 40 und 60
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Jahren mit einer
Prävalenz von 7-15% die häufigste Autoimmunerkrankung
überhaupt. Je nach geographischer Region, Rasse, Jod- und
Selenversorgung
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sowie externen
Einflüssen variieren diese Angaben jedoch erheblich. Für
Deutschland liegen keine gesicherten Angaben zur Häufigkeit
der Erkrankung
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vor. Frauen
erkranken 7-10mal häufiger als Männer, die
Manifestationsgipfel liegen in Phasen der Hormonumstellung
(Pubertät, postpartal, nach Beginn
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oder Beendigung der
hormonellen Antikonzeption, perimenopausal). Eine EO ist bei
genauer klinischer Untersuchung in subtiler Ausprägung bei
einigen
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Patienten mit HT
nachweisbar. Eine höhergradige EO mit progredientem Verlauf
ist bei HT jedoch selten.
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Pathogenese
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Für die HT
besteht eine polygenetische Prädisposition (HLA-Gene u.a.).
Zwillingsstudien aus Dänemark, Kanada und Kalifornien
weisen auf die im
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Vergleich zu
Umweltfaktoren größere Bedeutung der Genetik hin und
unterstreichen die auffällige Häufung von
Autoimmunerkrankungen bei
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erstgradigen
Verwandten von Patienten mit HT. Auf dem Boden dieser permissiv
wirksamen genetischen Prädisposition können
Triggerfaktoren die
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Manifestation der HT
in Gang setzen bzw. die Schwelle zur Manifestation der
Erkrankung absenken. Hierzu zählen beispielweise virale
oder bakterielle
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Infektionen des
Respirations- und Gastrointestinaltraktes (Coxsackie-Viren,
Adenoviren, HTLV-Viren, Yersinien, Campylobacter, u.a.), die das
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Immunsystem aufgrund
von Epitop-Homologien zwischen den viralen bzw. bakteriellen
Hüllproteinen und Thyreozytenproteinen fehlleiten können.
Weitere
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manifestationsfördernde
Faktoren sind der Nikotinkonsum (4-7-fache Risikoerhöhung),
eine oft unbemerkte Iod-Kontamination und körperlicher oder
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psychischer Streß.
Das Vorhandensein bestimmter genetischer Polymorphismen,
insbesondere in Genen, die an der Immunregulation und
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Entzündungskontrolle
beteiligt sind, wirkt permissiv bzw. verstärkend auf den
Immunprozeß.
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An der Initierung
und Perpetuierung des intrathyreoidalen Immunprozesses bei HT
sind vorrangig dendritische Zellen und B-Zellen in der
Schilddrüse und in
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den regionalen
Lymphknoten beteiligt, die Antigene aufnehmen, prozessieren und
gegenüber T-Zellen präsentieren. Als Folge hiervon
kommt es zur
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Sekretion
zahlreicher proinflammatorischer Zytokine und Chemokine, zur
Neovaskularisation und zur Hochregulation endothelialer
Adhäsionsmoleküle
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als entscheidendem
Schritt auf dem Weg zur Nachrekrutierung von T-Zellen in die
Schilddrüse. Die Bildung von hochaffinen oligoklonalen
Antikörpern durch Blymphozyten und Plasmazellen in der
Schilddrüse, den regionalen Lymphknoten und in Leber, Milz
und Knochenmark erfolgt unter dem Einfluß
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eines dafür
günstigen Zytokinmilieus, an dessen Orchestrierung und
Verstärkung der intrazelluläre Transkriptionsfaktor
NFKB wesentlichen Anteil
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hat. Als Folge des
intrathyreoidalen Entzündungsprozesses resultiert bei der
HT ein massiv erhöhter intrathyreoidaler oxidativer Streß,
der die Freisetzung
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hochreaktiver freier
Radikale, immunregulatorischer Zytokine und Chemokine sowie
vasoaktiver Peptide verstärkt und eine T-Zell-Dysbalance
(meist vom TH5
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1-Typ) unterhält.
Eine wesentliche Rolle spielen auch gestörte
Apoptose-Mechanismen in Thyreozyten und infiltrierenden
immunregulatorischen Zellen.
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Der initiale
Schädigungsmechanismus der Thyreozyten bei HT ist bislang
ungeklärt. Als wahrscheinlich gelten direkte virale und
zelluläre zytotoxische
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Effekte,
möglicherweise vermittelt über Komplement-fixierende
Antikörper. Hierbei werden die normalerweile intrazellulär
sequestrierten
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Thyreozytenproteine
intrathyreoidal und in die systemische Zirkulation freigesetzt.
Bei genetisch prädisponierten Personen mit fehlerhafter
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Autoantigen-Toleranz
kann dies einen progredienten Immunprozeß in Gang setzen.
Dieser Prozeß wird erleichtert, wenn die endogenen
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Gegenregulationsmechanismen
(antioxidative Schutzsyteme) nicht in der Lage sind, genügend
kompensatorisch bzw. autoregulatorisch zu wirken. In Fall einer
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viralen oder
bakteriellen Triggerung kann selbst nach erfolgreicher
Elimination des auslösenden Agens eine persistierende und
progrediente, durch
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zytotoxische
T-Zellen oder Komplementbestandteile vermittelte
Thyreozytendestruktion resultieren.
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Lichtmikroskopisch
fällt bei der Betrachtung von HT-Histologien ein
geschwollener“ Aspekt vieler Thyreozyten im Sinne von sog.
Hürthle-Zellen auf. Dies sind oxyphile (onkozytäre)
Zellen mit fein-granulärem eosinophilem Zytoplasma.
Elektronenmikroskopisch zeigen diese oxyphilen Thyreozyten eine
starke Vermehrung und Vergrößerung der Mitochondrien.
Biochemisch weisen oxyphile Thyreozyten eine gesteigerte
Aktivität von Enzymen der Atmungskette (u.a. Cytochrom
C-Oxidase, Succinat-Dehydrogenase) auf. Die oxyphile
Zellveränderung ist kein auf die Schilddrüse
begrenztes Phänomen, sondern kommt auch in Nieren-, Leber-
und Lungenzellen sowie im Speicheldrüsen- und
Nebenschilddrüsengewebe vor. Die oxyphile Veränderung
weist auf einen hohen intrazellulären oxativen Metabolismus
mit Produktion hochreaktiver Sauerstoffverbindungen hin. Wie in
anderen Geweben sind diese Prozesse Ausdruck und Folge von
anhaltenden Entzündungsprozessen, Gewebszerstörung,
Zell-Apoptose, degenerativen Veränderungen und
Zellalterung. Oxyphil veränderte Thyreozyten sind somit
keine HT-spezifische Besonderheit, signalisieren jedoch, das die
Thyreozytenverbände im Rahmen der ablaufenden Immunreaktion
unter starker oxidativer Belastung stehen und ihre
physiologischen Funktionen aufgrund reduzierter Energiegewinnung
nur noch eingeschränkt vollführen können. Diese
intrazellulären Veränderungen beeinträchtigen die
Membranintegrität der Thyreozyten und induzieren zelluläre
Lecks mit Freisetzung intrathyreoidaler Proteine. Darüber
hinaus triggern
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Energiemangel und
oxidativer Streß die intrazelluläre Apoptose-Kaskade
und damit einen komplexen, kaskadenhaft ablaufenden und
irreversiblen
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Mechanismus hin zum
programmierten Zelltod. Detaillierte molekulargenetische
Untersuchungen konnten an benignen oxyphilen Thyreozyten
nachweisen,
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dass die
mitochondriale Genexpression und insbesondere die nukleären
und mitochondrialen Gene der Atmungskette bei HT auf breiter
Front überexprimiert
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sind und eine
massive Steigerung des aeroben oxidativen und nitrosativen
Stoffwechsels erkennen lassen. Neben Enzymen der Atmungskette
waren auch
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Enzyme der Glykolyse
und zahlreiche andere für Stoffwechselprozesse (u.a.
Zitronensäurezyklus, oxidative Phosphorylierung) relevante
Enzyme hoch
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reguliert.
Interessanterweise ist die mitochondriale Proliferation in
oxyphilen Zellen aber nicht mit einer verbesserten zellulären
Funktion verknüpft, sondern
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Ausdruck einer
defizitären zellulären Energiegewinnung mit daraus
resultierendem hohem oxidativem Streß. Ursache hierfür
könnte unter anderem
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eine fehlerhafte
oder falsch koordinierte Transkription und Replikation der
mitochondrialen DNA sein. Bereits in früheren
Untersuchungen war eine
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reduzierte
mitochondriale ATP-Synthese und eine Störung des
mitochondrialen Protonen-Gradienten in oxyphilen Zellen
aufgefallen.
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Fazit
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Die klassischen und
erweiterten klinischen Symptome und Beschwerden von Patienten
mit HT sind heute im Detail bekannt, ebenso wie die häufig
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assoziierten
Co-Morbiditäten (Tabelle 1 und 2). Die leider noch häufig
vertretene Meinung, die HT sei eine belanglose, ohnehin nicht
beeinflussbare
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und wenn nötig
mit Schilddrüsenhormon zu kompensierende Erkrankung ist
unangemessen und längst überholt. Neue Erkenntnisse
zur Pathogenese, zur
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frühzeitigen
Risikostratifizierung, zur Bedeutung von Genetik, Nikotinkarenz
und oxidativem/nitrosativem Streß (Tabellen 3-6) markieren
die wissenschaftliche
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Grundlage für
bislang vernachlässigte, ganzheitliche Präventions-
und Therapiestrategien. Auf dieser Basis sind heute sowohl
allgemeine als auch
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individuell
abgestimmte immunregulatorische und entzündungshemmende
Behandlungsempfehlungen möglich (Tabelle 7 und 8).
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Durch den gezielten,
möglichst frühzeitigen Einsatz eines an der
mittlerweile besser verstandenen Pathophysiologie orientierten,
multimodalen Behandlungskonzeptes lassen sich bei der HT
beachtliche Remissionsquoten und hohe Stabilisierungsraten
erzielen. Nahezu immer bewirken diese
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Maßnahmen eine
entscheidende, nachhaltige Verbesserung des Allgemeinbefindens,
der Begleiterkrankungen sowie der Lebensqualität. Die so
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erreichbaren
Verbesserungen der individuellen Lebenssituation sind enorm und
für viele Betroffene eine große Erleichterung. Aber
auch medizinökonomisch
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sind die
Auswirkungen günstig: die vornehmlich auf Kostenminimierung
bedachten Krankenkassen stellen eine rückläufige
Leistungsinanspruchnahme
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des medizinischen
Versorgungsapparates durch frustrierte Patienten fest.
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Tab. 1: Klinische
Merkmale der Hashimoto-Thyreoiditis
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Klassische Symptome
einer Hypothyreose
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Atypische“
Symptome als Folge der Immun- und Hormondysbalance
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Gehäuftes
Auftreten extrathyreoidaler autoimmuner Manifestationen
(Vitiligo, Zöliakie, atrophische Gastritis, Colitis,
Immunadrenalitis, Ovarialinsuffizienz, Diabetes mellitus Typ 1,
Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, rheumatoide
Arthritis, reaktive Arthritiden, Alopecia areata u.a.)
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Manifestation in
Hormonumstellungsphasen und nach Iodkontamination
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Typische
Augenzeichen einer endokrinen Orbitopathie (selten)
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Struma diffusa (sog.
„klassische“ HT) oder Schilddrüsenatrophie
- Tab.
2: Häufige Co-Morbiditäten bei Hashimoto-Thyreoiditis
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Erschöpfungssyndrom,
Energielosigkeit, Antriebsmangel
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Dysthymie,
Dysphorie, Angst-/Panikstörung
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Kognitive
Dysfunktion, Gedächtnisstörungen,
Konzentrationsstörungen, Denkblockaden
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Myalgien,
Arthralgien, sensorische Neuropathie
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Verdauungsbeschwerden,
Völlegefühl, Blähungen
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Gesteigerte
Infektneigung, „Grippegefühl“,
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Subfebrile
Temperaturen, „Entzündungsgefühl“
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Libidomangel,
Schwitzen, Frieren
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Gewichtszunahme,
Vermehrung der viszeralen Fettgewebsdepots
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Flüssigkeitseinlagerungen,
„zyklische Ödeme“, Schwellungsneigung
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Allergische und
entzündliche Hauterkrankungen (Dermatitis herpetiformis,
Rosacea u.a.)
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Haarausfall (diffus
oder umschrieben)
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Herzstolpern,
Herzjagen, Herzpochen, Herz“flattern“
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Enge- und
Beklemmungszustände beim Einatmen
- Tab.
3: „Etablierte“ Pathomechanismen bei
Hashimoto-Thyreoiditis
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Th1/Th2-Dysbalance
mit Th-1-Dominanz
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T-Zell-abhängige
Zytotoxizität
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Komplement-vermittelte
Zytotoxizität
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TPO- und
Tg-Antikörperbildung
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Unregulierte
Apoptose der Thyreozyten
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Überschießende
Bildung pro-inflammatorischer Zytokine/Interleukine
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Mitochondrienstörung
mit erhöhtem oxidativem Streß und reduzierter
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zellulärer
Energiegewinnung
- Tab.
4: Vermutete Pathomechanismen bei Hashimoto-Thyreoiditis und den
assoziierten Co-Morbiditäten
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Direkte
Zytotoxizität durch infektiöse Erreger (Viren,
Bakterien, u.a.)
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„Molecular
mimikry“ durch Epitop-Homologien zwischen exogenen und
endogenen Proteinen
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Präsentation
intrazellulärer Thyreozytenproteine (durch Leck oder
Destruktion von Thyreozyten)
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Unregulierter
oxidativer Streß durch Selenmangel
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Erhöhter
nitrosativer Stress (durch induzierbares Stickstoff-Monoxid und
Peroxynitrit)
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Hochregulation von
Cyclooxygenasen
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Mitochondrienblockade
mit intrathyreozytärem Energiemangel durch Störung der
Atmungskette und des Zitratzyklus
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Modifikation von
Thyreozyten-Membranproteinen (Glykosylierung, Citrullinierung,
oxidative Modifikation von Fettsäuren,
Methylierungsstörung)
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Erhöhte
Mutationsrate in der Zellkern-DNA und im mitochondrialen Genom
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Zentrale und
periphere Neurotoxizität durch Peroxinitrit und andere
oxidative Schädigungsmechanismen
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Störung der
Blut-Hirn-Schranke und vaskulitische Phänomene bei
„Hashimoto-Encephalopathie“
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Störung der
Steroidhormon-Biosynthese durch 7a-Hydroxylasehemmung
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Störung der
Häm-Synthese
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Hemmung von
neuronalem und endothelialem NO
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Anstieg des
asymmetrischen Dimethylarginins (ADMA) durch Abbaublockaden
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Überaktivität
der NMDA-Rezeptoren
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Nitrosierung von
Tyrosin (Blockade der Iodbindungsstelle führt zu reduziert
bioaktivem Schilddrüsenhormon)
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Nitrosierung von
Tyrosin und Tryptophan, Hemmung des Enzyms
Tryptophan-Hydroxylase (dadurch reduzierte Bildung von
Neurotransmitter- und Hormon-Präkursoren wie Serotonin,
Dopamin, Melatonin, Melanin, Noradenalin, Adrenalin, NAD, NADP)
- Tab.
5: Biochemische Diagnostik zur Erfassung von oxidativem und
nitrosativem Stress und gestörter Immunregulation bei
entzündlichen und Autoimmunerkrankungen
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Selen und Zink
(intrazellulär in Erythrozyten)
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25-OH-Vitamin D3 im
Serum
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Homocystein im Serum
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Ox-LDL im Serum
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4-Hydroxynonenal im
Urin
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Nitrotyrosin im
Serum
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Methylmalonsäure
im Urin
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Citrullin im Urin
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Omega-3-Index (in
Erythrozytenmembranen)
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Coenzym Q10
(cholesterinkorrigiert)
- Tab.
6: Indikatoren eines ungünstigen Verlaufes beim
Hashimoto-Thyreoiditis (geringere Remissionswahrscheinlichkeit,
erhöhtes Destruktionspotential, häufigere
Co-Morbiditäten)
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Nikotinabusus
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Hoher körperlicher
/ metabolischer / psychischer Streß
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Persistierend hoher
TPO-Antikörpertiter
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Persistierend starke
Hypervaskularisation und Echoarmut im Farbduplex-Ultraschall
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Vorliegen
extrathyreoidaler autoimmuner Manifestationen
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Vorliegen von
Mangel-/Fehlernährung, Insulinresistenz, gonadalen
Hormondefiziten, Mikronährstoff-Defiziten,
Aminosäure-Defiziten
- Tab.
7: Allgemeine Empfehlungen für die Behandlung der HT
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Frühzeitige,
ausreichend hohe Zufuhr von Selen (200-300 mg/Tag) unabhängig
von der Schilddrüsenfunktionslage sowie von 25-OH-Vitamin
D3 (2500-5000 IE/Tag) mit Ziel-Serumspiegel zwischen 50 und 80
ng/ml.
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Frühzeitiger
Ausgleich des Schilddrüsenhormonmangels (TSH > 3 mU/L)
mit Levothyroxin (TSH-Zielbereich 0,4 – 1,5 mU/L)
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Nikotinkarenz
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Gesundheitsorientierter
Lebensstil
- Tab.
8: Individuelle Empfehlungen für die Behandlung der HT
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Individuelle
Optimierung von Ernährung, körperlicher Fitneß,
psychischer Stabilität, Mikronährstoff- und
Aminosäuren-Defiziten
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Individueller
Ausgleich eines Mangels bzw. einer Dysbalance der gonadalen
Steroidhormone (Progesteron, Östradiol, Testosteron, DHEA)
mit natürlichen, körperidentischen Wirkstoffen
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Individuelle
Maßnahmen zur Entzündungshemmung, zur Verbesserung
der systemischen antioxidativen Kapazität und der
zellulären Energiegewinnung
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Individuelle
Maßnahmen zur Hemmung von nitrosativem Streß
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Individuelle
Maßnahmen zur Balancierung eines gestörten
Immunsystems (Immunregulation, Immunmodulation)
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Individuelle
Maßnahmen zur Wiederherstellung der Balance im
gastrointestinalen Immunsystems
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