- Jod
& Hashimoto-Thyreoiditis
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Prof. Dr. Jürgen
Hengstmann
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im Rahmen der
offenen Diskussion
"Jod & Hashimoto-Thyreoiditis"
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Epidemiologie
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Die häufigste
Ursache einer erworbenen Hypothyreose (Unterfunktion der
Schilddrüse) ist die Autoimmunthyreoiditis. Die Inzidenz
steigt mit zunehmendem Lebensalter an und zeigt eine Häufung
im mittleren Lebensabschnitt. Frauen sind von der
Autoimmunthyreoiditis 5-7mal häufiger betroffen als Männer
(Dayan et al. 1996).
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Zur Bestimmung der
Inzidenz der Autoimmunthyreoiditis werden in Gebieten mit
ausreichender Jodversorgung oft erhöhte Serumspiegel des
Thyreotropins (TSH; die Schilddrüse stimulierendes Hormon )
herangezogen. Dies geschieht unter der Voraussetzung, dass die
primäre Schilddrüsenunterfunktion (angeboren)
wesentlich häufiger ist als die sekundäre (erworbene)
Form (Verhältnis 1000/1) (Roberts et al. 2004).
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Die Wickham-Studie
in England zeigte bei 7,5 % aller Frauen und 2,8 % aller Männer
ein erhöhtes TSH im Serum (Tunbridge et al. 1977). In der
NHANES III Studie mit 17.353 beteiligten Nordamerikanern hatten
4,6 % erhöhte TSH-Werte, 0,3 % der Bevölkerung waren
manifest und 4,3 % latent hypothyreot. Patienten im Alter von 65
Jahren und älter waren zu 1,7 % manifest hypothyreot und zu
14,7 % latent hypothyreot (Hollowell et al. 2002). Allerdings
treten in Regionen mit einem endemischen Jodmangel
Autoimmunthyreoiditiden seltener auf (Szabols et al. 1997;
Laurberg et al. 2001).
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Häufigkeit
von Unterfunktion und Jodmangelkropf in Abhängigkeit von
der täglichen Jodzufuhr
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Die
Autoimmunthyreoiditis Hashimoto (AIT) ist eine
Autoimmunerkrankung, die einen langsam fortschreitenden Verlauf
zeigt. Im Mittel verliert die Schilddrüse 7 % ihrer
Zellmasse pro Jahr. Das heißt, dass nach zehn Jahren die
Hälfte der Schilddrüsenparenchymzellen zugrunde
gegangen ist.
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Nur selten wird die
zu Beginn vorliegende hyperthyreote Stoffwechsellage erfasst, da
sie – abhängig von der täglich zugeführten
Jodmenge – meist nicht sehr ausgeprägt ist (Mallya et
al. 1978; Reinwein et al. 1988; Pearce et al. 2003). Darauf
folgen viele Jahre mit „euthyreoter“
Stoffwechsellage. Die sich daran anschließende
subklinische Hypothyreose ist gekennzeichnet durch erhöhte
Thyreotropinspiegel im Serum bei normalen Konzentrationen der
zirkulierenden Schilddrüsenhormone. Bei der chronischen
Autoimmunthyreoiditis ist dies Ausdruck eines Übergangsstadiums
zwischen Euthyreose und manifester Hypothyreose. Patienten mit
Autoimmunthyreoiditis Hashimoto sind klassischerweise bei
Diagnosestellung latent oder manifest hypothyreot, können
sich aber auch erstmals mit hyperthyreoter oder euthyreoter
Stoffwechsellage präsentieren.
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Die gegen die
Schilddrüseparanchymzellen gerichtete Autoimmunreaktion
beginnt mit der Aktivierung von T-Helferzellen (Fountoulakis et
al. 2004).
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Die aktivierten
T-Zellen stimulieren Plasmazellen zur Produktion von Antikörpern
gegen unter anderem Schilddrüsenperoxidase und
Thyreoglobulin. Typisch sind hohe Konzentrationen zirkulierender
Antikörper im Serum. Die Datenlage hinsichtlich der
Inzidenz von antimikrosomalen Antikörpern (MAK) und
Antikörpern gegen Thyreoglobulin (TAK) bei AIT Hashimoto
ist widersprüchlich. Die durch Antikörper vermittelte
Zellzerstörung hat eine Erhöhung von TSH im Serum zur
Folge. (Hollowell et al. 2002). Die Wickham follow-up Studie
über 20 Jahre zeigte, dass Frauen mit positiven
Schilddrüsenautoantikörpern ein 8-fach höheres
Risiko haben, eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion zu
entwickeln. Ein Fortschreiten der latenten
Autoimmunhypothyreosen mit positiven Antikörpern zur
manifesten Hypothyreose wurde in einigen Studien nachgewiesen
(Vanderpump et al. 1995; Huber et al. 2002).
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Bei langfristig
höherer Jodüberversorgung ist eine steigende Inzidenz
der Autoimmunthyreoiditis zu beobachten (Laurberg et al. 2001,
Emral et al. 2006, Benvenga und Trimarchi 2008, Szabols et al.
1996)). Prinzipiell gibt es zwei Mechanismen, die das Auftreten
von Hypothyreosen bei hoher Jodaufnahme fördern. Zu Anfang
wird durch eine sehr hohe Jodaufnahme die Freisetzung der
Schilddrüsenhormone gehemmt. Bleibt die hohe Jodexposition
über einen längeren Zeitraum bestehen, kann diese zur
Entwicklung einer Struma und Hypothyreose führen. Bei
genetisch disponierten Individuen führt eine langdauernde
höhere Jodexposition (>500 µg täglich) zu
gesteigerter Autoimmunität (Szablos et al 1996). Einerseits
zerstört die Autoimmunreaktion Schilddrüsengewebe mit
konsekutiver Unterfunktion. Anderseits hat die Schilddrüse
von Patienten mit Autoimmunthyreoiditiden Schwierigkeiten einer
durch hohe Jodexposition geblockte Schilddrüsenhormonproduktion
aufzuheben. Diese Mechanismen führen zu einer Unterfunktion
der Schilddrüse, sie sind aber durch ihre weitgehend
ungeklärte Funktionsweise schwer voneinander zu trennen.
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Studien in
Griechenland, Sri Lanka und Italien zeigten nach Einführung
einer ausreichenden Jodversorgung ein erhöhtes Vorkommen
von Autoantikörpern gegen
Schilddrüsengewebe bei Schulkindern (Premawardhana et al.
2000; Zois et al. 2003). Boukis et al. berichteten bei
Alimentation mit jodiertem Speiseöl über einen Anstieg
der positiven Antikörpertests von 0 % auf 42.8 % der
Probanden (Boukis et al. 1983). Zusätzlich wurden in
Tierversuchen mit Tieren, die zu Autoimmunthyreoiditis neigen,
bestätigt, dass hohe Jodaufnahme zu einer beschleunigten
Autoimmunreaktion führt. (Mooij et al.
1993; Bagchi et al. 1995; Rasooly et al. 1996).
Patienten mit einer jodinduzierten Hypothyreose
können durch Jodkarenz (Verzicht auf stark jodhaltige
Speisen, Getränke, Medikamente etc.) in eine euthyreote
Stoffwechsellage zurückgeführt werden. Dies gilt
sowohl für Antikörper negative als auch für
Antikörper positive Hypothyreosen. In einer japanischen
Studie mit 33 hypothyreoten Patienten reduzierte sich der
mittlere TSH-Spiegel von 21,9 mU/l auf 5,3 mU/l nach Verzicht
auf jodhaltige Lebensmittel für 1-2 Monate. Ein Drittel der
Patienten wurde euthyreot, mehr als die Hälfte reduzierte
den TSH- Wert auf unter 10 mU/l (Kasagi et al. 2003). Eine
koreanische Studie teilte 45 Patienten mit Autoimmunthyreoiditis
Hashimoto in zwei Gruppen ein. Der Anteil der euthyreoten
Patienten nach 3 Monaten war mit 78,1 % in der Gruppe mit
Jodkarenz deutlich höher als in der Vergleichsgruppe ohne
Jodkarenz mit 45,5 % (Yoon et al. 2003). Diese Beobachtung steht
im Einklang mit den klinischen Beobachtungen in der
Schilddrüsenambulanz des Krankenhaus am Urban, dass latent
hypothyreote Patienten mit positiven Schilddrüsenautoantikörpern
durch simple Jodrestriktion eine euthyreote Stoffwechsellage
wiedererlangen.
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erstellt am 03.04.09, aktualisiert am
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