- Schwieriges
Arzt-Patienten-Verhältnis
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Unter den unzähligen
E-Mails, die ich von Schilddrüsenerkrankten im Zusammenhang
mit dieser Homepage erhalte, gibt es kaum eine, in denen mir
keine negativen Arzterfahrungen geschildert werden. Viele
Betroffene, insbesondere der autoimmunen
Schilddrüsenerkrankungen, fühlen sich von ihren Ärzten
schlecht informiert, medizinisch unzureichend betreut,
vorschnell auf die Psycho-Schiene abgeschoben und mit ihren
gesundheitlichen Problemen allein gelassen.
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Für diese
Unzufriedenheit der Schilddrüsenpatienten gibt es sehr
viele unterschiedliche Gründe, beispielsweise ...
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- Die
Schilddrüsenerkrankung wurde erst nach einem längeren
Leidensweg entdeckt oder lange falsch behandelt.
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- Bagatellisierung
der Erkrankung der Schilddrüse, obwohl sie die
Lebensqualität teilweise erheblich einschränkt.
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- Die Beurteilung
der Laborwerte steht im Vordergrund, während das
individuelle Patientenbefinden ignoriert wird.
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- Regelmässige
Kontrolluntersuchungen werden verweigert oder müssen als
IGeL-Leistung selbst bezahlt werden.
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- Trotz massiver
Beschwerden monatelange Wartezeiten auf Facharzttermine
(Endokrinologen, Nuklearmediziner).
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- Keine Übernahme
der Kosten notwendiger Medikamente, z.B. Thyrogen in der
Schilddrüsenkrebstherapie.
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- Verweigerung
weitergehender Untersuchungen (Rheuma-Diagnostik, Analyse
anderer Hormone).
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- Schlecht
organisierter Übergang / Weiterbetreuung nach einem
stationären Klinikaufenthalt.
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- Ablehnung gut
informierter Patienten (Gefühl der Entmündigung).
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- Ständige
Klagen der Ärzte über mangelnde Bezahlung,
Arbeitsbelastung, Budgetprobleme
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Meine persönlichen
Erfahrungen sind ähnlich negativ. Trotz charakteristischer
Symptomatik, objektivierbarer Befunde (Blutdruck, Blutfettwerte
usw.) sowie äußerlich deutlich sichtbarer Anzeichen
einer Hypothyreose wurde jahrelang kein einziger
Schilddrüsenparameter bestimmt geschweige denn meine
Schilddrüse mit Sonografie oder Szintigrafie genauer
untersucht. Mit der verschleppten Diagnose erfolgte zwar
zeitgleich der leider fehlerhafte sowie unzureichende
Behandlungsbeginn, aber auch das von den beteiligten Ärzten
in derartigen Fällen forcierte „Vertuschen –
Verleugnen – Verharmlosen“. Mir selbst war zu dem
damaligen Zeitpunkt noch überhaupt nicht klar, welcher
„Ärztepfusch“ mir angetan worden ist –
ich war nach einem jahrelangen Leidensweg schon die letzte Zeit
vor der Diagnose arbeitsunfähig, schwer krank und viel zu
erschöpft um genauer nachzufragen oder mich zur Wehr zu
setzen.
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Ich unterstelle
keinem Arzt die Absicht mir oder einem anderen Patienten bewußt
Schaden zufügen zu wollen, aber es ist offensichtlich, daß
die überwiegende Mehrzahl der Ärzte für die
Behandlung der autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen nicht
ausreichend qualifiziert ist. Gerade weil ich in Bezug auf
Schilddrüsenerkrankungen sehr gut informiert bin, bemerke
ich immer wieder Situationen, in denen Ärzte ohne den
geringsten Selbstzweifel falsches oder veraltetes „Wissen“
offenbaren und mit fadenscheinigsten Begründungen
notwendige Untersuchungen und Behandlungen verweigern. Wie ich
damit umgehen soll - ich weiss es nicht! Ich versuche jedem Arzt
unvoreingenommen gegenüberzutreten und bin bereit mir seine
Meinung anzuhören. Aber was mich persönlich betrifft,
bin ich mir auch sicher: Ob der Arzt über meine Behandlung
entscheidet oder ich - sämtliche Konsequenzen muss ich an
Körper, Geist und Seele ertragen. Also entscheide ich auch
was gemacht wird! Aber wer weiß (Motto: jedem Umzug folgt
ein Arztwechsel) ... vielleicht erlebe ich ja mal eine positive
Überraschung?!
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Mir ist bewußt,
daß sich bereits diese Äußerungen an der Grenze
eines Tabubruchs bewegen. Aber ich bin überzeugt davon, daß
unser Gesundheitssystem nur deshalb so schlecht ist, weil schon
lange nicht mehr ehrlich miteinander umgegangen und gemeinsam an
konstruktiven Lösungen gearbeitet wird. Auf der Strecke
bleibt der Patient ... kein Bittsteller von dem man unterwürfige
Dankbarkeit zu erwarten hätte, sondern jemand der dieses
Gesundheitssystem mit seinen Krankenkassenbeiträgen
finanziert und dadurch einen berechtigten Anspruch auf eine
anständige Behandlung hat.
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Im Hinblick darauf:
Wer, wenn nicht wir Selbsthilfevertreter, hat das Recht und die
Möglichkeit auf Mißstände hinzuweisen? Das hat
nichts mit Bitterkeit oder persönlichen Rachefeldzügen
zu tun, sondern im Gegensatz zu allen anderen Gruppen im
Gesundheitssystem sind die meisten von uns in ihrer
Meinungsäußerung unabhängig, d.h. wir sind weder
an einen zweifelhaften Ehrenkodex gebunden oder Vorgesetzten zu
Rechenschaft verpflichtet, noch denken wir karriere- oder
profitorientiert. Wir wollen, dass sich etwas ändert, weil
die aktuelle Situation für viele von uns unerträglich
ist. Aus diesem Gund haben mehr als 30 Selbsthilfeinitiativen in
Deutschland, Österreich und der Schweiz einen gemeinsamen
Forderungskatalog
erarbeitet.
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Überzogenes
Anspruchsdenken in Zeiten der Geldknappheit und allgegenwärtiger
Unzufriedenheit der deutschen Ärzteschaft werden Sie jetzt
vielleicht denken. Ärzte leiden unter einer sehr hohen
Arbeitsbelastung und immensem Zeitdruck, können mit
Verwaltungsaufwand und Kostendruck kaum noch umgehen, beklagen
geringe Bezahlung (als ohnehin schon Topverdiener unter den
Akademikern?) und wirtschaftliche Existenzängste. ... Genau
deshalb wäre es nicht wenigen lieber, der Umgang mit uns
Selbsthilfevertretern wäre möglichst bequem.
Kostenlose Selbsthilfeangebote als Lückenbüßer
um die Schwachstellen im maroden Gesundheitssystem auszugleichen
sind immer willkommen. Aber die Diagnose- und
Therapierichtlinien weichen in Bezug auf die autoimmunen
Schilddrüsenerkrankungen so gravierend von der Realität
ab, daß jeder Versuch der angepaßten Schönfärberei
ein weiterer Skandal wäre. Und nicht zuletzt - jede zu spät
diagnostizierte und falsch behandelte Schilddrüsenerkrankung
kostet nicht nur unser Gesundheitssystem sondern jeden Einzelnen
von uns betroffenen Patienten sehr hohe Geldsummen!
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Nein – es
folgt jetzt kein Rundumschlag. An dieser Stelle möchte ich
sogar ausdrücklich denjenigen Ärzten danken, die uns
verständnisvoll zuhören, unsere Probleme ernstnehmen,
unermüdlich versuchen uns im Rahmen der medizinischen
Möglichkeiten zu mehr Lebensqualität zu verhelfen,
Forschungsprojekte initiieren oder die mit ihrem Fachwissen
Internetseiten wie diese hier bereichern oder Patientenvorträge
halten! Den ein oder anderen Arzt hoffe ich zum Nachdenken
anregen können ...
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Weblinks:
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N. Eiglmeier hat als
Krankenschwester in einem Akutkrankenhaus gearbeitet bevor sie
durch eine SD-OP berufsunfähig wurde. Sie kennt beide
Seiten und hat einen einfühlsamen
Text zum Arzt-Patienten-Verhältnis
geschrieben.
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L. Geissler: „Arzt
und Patient – Begegnung im Gespräch“
(Online-Version des
titelgleichen Buches)
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H. Gangl: „Die
Patienten mischen sich immer mehr ein. Warum können sie
nicht schweigen und genießen?“
(PDF)
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H. Helmchen: „Das
Arzt-Patienten-Verhältnis:
Zwischen Individualisierung und Standardisierung“
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M. Tapparo: Das
Kunstfehler-Tabu
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Ärztliches
Zentrum für Qualität in der Medizin: „Woran
erkennt man eine gute Arztpraxis?“
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Bundesministerium
für Gesundheit: „Patientenrechte
in Deutschland“ (PDF)
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Bundesarbeitsgemeinschaft
der PatientInnenstellen und -Initiativen: "Einsichtsrecht
in Patientenunterlagen"
(PDF)
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Homepage
erstellt am 21.06.06, aktualisiert am 12.06.09
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