www.schilddruesenguide.deDer unabhängige Internetwegweiser zu Erkrankungen der Schilddrüse.
Einschränkungen der Lebensqualität trotz Therapie
Navigation: EinleitungSchwierige Krankheitsverläufe - Unzureichende Hormonsubstitution - Lokalsymptome - Muskel- und Gelenkschmerzen - Konzentrationsstörungen - Depressionen und Angstzustände- Ungewollte Kinderlosigkeit und Schwangerschaftskomplikationen
Weitgehender Konsens herrscht darüber, dass Unter- und Überfunktionen der Schilddrüse einen Einfluss auf die weibliche Fertilität haben. Nur wenig Berücksichtigung findet hingegen die Tatsache, dass bereits das Vorhandensein von Schilddrüsenautoantikörpern (ohne dass eine Hypo- oder Hyperthyreose vorliegt) in einigen Fällen zu Zyklusstörungen führt. "Eine Reihe von Untersuchungen der letzten Jahre beschäftigte sich mit der Frage, ob der alleinige Nachweis von Schilddrüsenantikörpern Einfluss auf die weibliche Fertilität besitzt. Dabei zeigten mehrere Literaturstellen, dass positive TPO-Antikörper für rund 20 Prozent der Zyklusstörungen junger Frauen verantwortlich gemacht werden können." (G. Hintze, H. Fink: „Aktuelle Schilddrüsendiagnostik und -therapie bei Fertilitätsstörungen und Schwangerschaft“, Wissenschaft u. Praxis 2004, 12: 576 – 578)

Weit schwerwiegender ist in diesem Zusammenhang jedoch das erhöhte Fehlgeburtsrisiko von Frauen mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung welches bereits in mehreren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde.

"Der Zusammenhang zwischen dem Nachweis von Schilddrüsenautoantikörpern und gehäuften Fehlgeburten wurde in der Vergangenheit beschrieben und intensiv untersucht. In den meisten Studien wird eine positive Korrelation zwischen der Höhe des Schilddrüsenautoantikörpertiters und dem Abortgeschehen berichtet. Es sind aber keine beweisenden, kontrollierten und randomisierten Daten publiziert, die diesen Sachverhalt überprüft und bewiesen hätten. So berichten Poppe et al. über eine hohe ART-Schwangerschaftsrate bei Frauen mit Schilddrüsenautoantikörpern. Aber die Fehlgeburtenrate war mit 53 % im Vergleich zu 23 % bei den Frauen ohne Schilddrüsenautoantikörper signifikant erhöht. Im Gegensatz dazu berichten andere Autoren sowohl über eine reduzierte Schwangerschaftsrate als auch, wie schon aus früheren Untersuchungen bekannt, über eine erhöhte Abortrate. Die Arbeitsgruppe von Poppe et al. gibt zwei Theorien für die hohe Abortrate an: eine immunologische Ursache oder eine sich im ART-Zyklus entwickelnde Schilddrüsenunterfunktion durch den estrogenbedingten Anstieg des Thyroxin-bindenden Globulins mit resultierender Abnahme des freien Thyroxins. Auch Stagnaro-Green et al. [und Lejeune et al. berichten bei euthyreoten Frauen mit Schilddrüsenautoantikörpern ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Außerdem wurden Schilddrüsenautoantikörper bei Frauen mit anamnestisch bekannter habitueller Abortneigung vermehrt nachgewiesen. Zusammenfassend können Schilddrüsenautoantikörper somit als Hinweis für ein Abortrisiko gewertet werden." (M. Bals-Pratsch, S. Reichel, B. Seifert, B. Zietz: "Autoimmunthyreopathie und Kinderwunschbehandlung – Überlegungen zu einem empirischen Behandlungskonzept", J Repr med Endok 2005, 2(2): 90 – 95)

Insgesamt sind die hormonellen Schwankungen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft für Frauen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis oder einem Morbus Basedow nicht immer ganz einfach zu bewältigen. Auch die sogenannte Wochenbettdepression ist bei Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten häufiger als bei schilddrüsengesunden Frauen. Positive Schilddrüsenautoantikörper (TPO-AK), wenn sie während der Schwangerschaft gemessen werden, sind ein Risikofaktor für die Entwicklung einer postpartalen Depression (J. L. Kuijpens, H. L. Vader, H. A. Drexhage, W. M. Wiersinga, M. J. van Son, V. J. M. Pop: „Thyroid peroxidase antibodies during gestation are a marker for subsequent depression postpartum“, Eur J Endoc 2001, 5(145): 579 – 584).
SDG-Tipp
Weitere Informationen zum Thema Schilddrüsenerkrankung & Schwangerschaft finden Sie hier.

Leider gibt es nur sehr wenige Schilddrüsenspezialisten, die sich mit den komplizierten Hashimoto-Thyreoiditis-Krankheitsverläufen wirklich gut auskennen. Das heißt betroffenen Patienten bleibt oft nichts anders übrig als sich selbst ausführlich einzulesen. Dazu gibt es inzwischen unzählige Schilddrüsenbücher – ich möchte Ihnen insbesondere die folgenden drei Patientenratgeber empfehlen:
1. Hotze: „Schilddrüse. Mehr wissen – besser verstehen“ (Meine ausführliche Buchbesprechung) Weitere Rezensionen bei Amazon* ansehen.
2. Brakebusch, Heufelder „Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis“ (Meine ausführliche Buchbesprechung lesen) Weitere Rezensionen bei Amazon* ansehen.
3. Scheuernstuhl „Natürliche Hormontherapie“ (Demnächst: Meine Buchbesprechung) Weitere Rezensionen bei Amazon* ansehen.
* Partnerlinks
Homepage erstellt am 22.03.05, aktualisiert am 02.09.11.
Impressum (Anbieterkennung)